{"id":73,"date":"2007-08-18T18:13:20","date_gmt":"2007-08-18T16:13:20","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=73"},"modified":"2017-03-07T17:53:32","modified_gmt":"2017-03-07T15:53:32","slug":"anno-1968","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2007\/08\/anno-1968\/","title":{"rendered":"Anno 1968"},"content":{"rendered":"<h2><a href=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/kulle2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-23\" alt=\"kulle2\" src=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/kulle2-300x251.jpg\" width=\"300\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/kulle2-300x251.jpg 300w, https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/kulle2.jpg 663w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/h2>\n<h2>Vorwort<\/h2>\n<blockquote class=\"alignleft\"><p>Es rauscht anno 2007 im dehl\u00e4ndischen Medienwald in der Vorschau auf ein wahrhaft wenig spektakul\u00e4res Jubil\u00e4um, n\u00e4mlich ein vierzigj\u00e4hriges. Wir sprechen vom Jahr 1968.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun, Anl\u00e4sse zum Erinnern g\u00e4be es genug. Zum Beispiel wurde die Mehrwertsteuer im Januar in Dehland eingef\u00fchrt, der Vietcong gab dem Vietnamkrieg durch die TET-Offensive eine entscheidende Wendung, in den USA wurden im April Martin Luther King und im Juni Robert F. Kennedy ermordet, und im August endete der sogenannte \u201cPrager Fr\u00fchling\u201c mit dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAber nicht der Einstieg in eine mittelalterlich anmutende Abgaben-Unkultur, nicht individualterroristische noch staatsterroristische Angriffe, ja, noch nicht einmal der Vietnamkrieg sind Gegenstand der medialen Erinnerung. Die Erinnerung dient der Nabelschau, der Nabelschau derjenigen im Vorruhestands- und Rentenalter, die damals um die zwanzig Jahre alt waren, links waren und sich sp\u00e4ter als \u201c68er\u201c bezeichneten. Heute sind sie in der Regel nicht mehr links, ganz im Gegenteil, aber sentimental. Konstitutioneller Bestandteil von Sentimentalit\u00e4t ist es, dass der Sentimentale sich unendlich leid tut, immer recht hat und dem Bed\u00fcrfnis, sich selbst zu bespiegeln, nicht widerstehen kann.<\/p>\n<p>Es wird zu untersuchen sein, ob die Unruhen des Jahres 1968 in Dehland Aufmerksamkeit oder gar eine breite W\u00fcrdigung verdienen.<\/p>\n<h2>Die Studentenunruhen in der Bundesrepublik Deutschland <sup><a href=\"#fuss1\">1<\/a><\/sup><\/h2>\n<p><a name=\"back1\"><\/a><\/p>\n<p>Was wollten \u201cdie 68er\u201c? Schon in dieser Frage verbirgt sich ein weit verbreiteter Irrtum, denn \u201cdie\u201c 68er gab es nicht.<\/p>\n<p>Der SDS erkor sich den Vietnamkrieg als wichtigsten Topos in der Hoffnung, anhand dieses Themas die Notwendigkeit der Weltrevolution am einfachsten deutlich machen zu k\u00f6nnen. Rudi Dutschke schreibt:<\/p>\n<p><em>\u201cDiese (&#8230;) Antwort McNamaras deutet darauf hin, da\u00df in den entscheidenden Phasen der Auseinandersetzung zwischen Revolution und Konterrevolution auch die Bourgeoisie mehr denn je historisch-materialistische Elemente der Erkenntnis in sich aufgenommen hat. Sie ist so wenig wie wir dazu verurteilt, die Geschichte als blindes Geschehen \u00fcber sich ergehen zu lassen, kann &#8211; \u00e4hnlich wie wir &#8211; aktiv und autonom in den Proze\u00df der Geschichte eingreifen, in ihn eingreifen, um die Unterordnung der Massen, um die Ausbeutung und das Elend zu perpetuieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nota bene: Die deutschen die Welt revolutionierenden Studenten wollten gemeinsam mit der internationalen Bourgeoisie in den Prozess der Geschichte eingreifen, um die Ausbeutung zu perpetuieren&#8230; \u00dcbrigens scheute dieser studentische Eingriff vor Gewalt nicht zur\u00fcck: Holger Meins drehte einen Lehrfilm \u00fcber den Bau von Molotow-Cocktails.<sup><a href=\"#fuss2\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<p><a name=\"back2\"><\/a><\/p>\n<p>Unter den Berliner Studenten traf die Vietnam-Kampagne des SDS auf viel Zustimmung. Die \u201cNormalberliner\u201c waren allerdings v\u00f6llig anderer Meinung. 80.000 von ihnen folgten auf einer Demonstration der Losung: Berlin darf nicht Saigon werden!\u201c<sup><a href=\"#fuss3\">3<\/a><\/sup> <a name=\"back3\"><\/a> Um ganz sicher zu sein, dass das nie geschehen wird, schlugen sie etwa 40 verd\u00e4chtige\u201c Studentendemonstranten zusammen, obwohl deren Losung:<\/p>\n<p>B\u00fcrger, runter vom Balkon,<\/p>\n<p>unterst\u00fctzt den Vietcong!\u201c<\/p>\n<p>niemand Folge leistete.<sup><a href=\"#fuss4\">4<\/a><\/sup><br \/>\n<a name=\"back4\"><\/a><\/p>\n<p>\u00dcberhaupt blieben die Studenten unter sich. Versuche wie die von Hans-J\u00fcrgen Krahl, der in Frankfurt zu einem gemeinsamen politischen Streik von Arbeitern, Sch\u00fclern und Studenten gegen die Notstandsgesetze aufrief, scheiterten kl\u00e4glich: Die Reaktion war gleich Null.<\/p>\n<p>Ein wenig erfolgreicher war die Studentenbewegung bei ihren Aktionen gegen die Springer-Presse: Nach dem Revolver-Attentat auf Rudi Dutschke wurde tagelang versucht, die Auslieferung von Bl\u00e4ttern des Verlags, insbesondere der BILD-Zeitung, zu verhindern. Die Aktionen erfuhren sogar internationale Unterst\u00fctzung durch Solidarit\u00e4tsdemonstrationen z. B. in Wien, Prag, Belgrad, Oslo, Tel Aviv(!), Paris, Amsterdam, London, Toronto, Washington und New York. Der dehl\u00e4ndische Spie\u00dfb\u00fcrger dagegen war emp\u00f6rt, und heute bekommt er, was ihm geb\u00fchrt.<sup><a href=\"#fuss5\">5<\/a><\/sup><a name=\"back5\"><\/a><\/p>\n<p>Kein gro\u00dfes\u201c politisches Thema \u00fcberlebte die Jahresmitte. Stattdessen machte sich Spa\u00dfkultur breit:<\/p>\n<ul type=\"circle\">\n<li>M\u00fcnchener Studenten verkleideten sich als Polizisten und sprengten Universit\u00e4tsvorlesungen. Die Uniformen hatten sie sich bei einem Kost\u00fcmverleih geborgt. Sie wurden daf\u00fcr zu mehrmonatigen Gef\u00e4ngnisstrafen verurteilt<a name=\"back6\"><\/a><sup><a href=\"#fuss6\">6<\/a><\/sup>.<\/li>\n<li>Brands\u00e4tze explodierten nachts in zwei Kaufh\u00e4usern auf der Frankfurter Zeil, gelegt von Baader, Ensslin, S\u00f6hnlein und Proll. Sie gaben an, sie h\u00e4tten die Kaufh\u00e4user niederbrennen wollen, \u201cum gegen die Gleichg\u00fcltigkeit der Gesellschaft gegen\u00fcber den Morden in Vietnam zu protestieren\u201c. Das Gericht verh\u00e4ngte \u00fcber alle vier Angeklagten eine Zuchthausstrafe von jeweils drei Jahren.<a name=\"back7\"><\/a><sup><a href=\"#fuss7\">7<\/a><\/sup><\/li>\n<li>Gegen Ende des Jahres ergriff endlich eine Frauengruppe das Wort und bereitete dem Streit um die \u201cFrauenfrage\u201c ein radikales Ende mit der Forderung:\u201cBefreit die sozialistischen Eminenzenvon ihren b\u00fcrgerlichen Schw\u00e4nzen.\u201c<sup><a href=\"#fuss8\">8<\/a><\/sup><a name=\"back8\"><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie weit die \u201cdehl\u00e4ndischen revolution\u00e4ren\u201c Studenten und ihre Adressaten emotional<a name=\"back9\"><\/a><sup><a href=\"#fuss9\">9<\/a><\/sup> voneinander entfernt waren, zeigt die folgende Anekdote. Als Protestma\u00dfnahme gegen den Vietnamkrieg k\u00fcndigte die Internationale der Kriegsdienstgegner an, einen Hund \u00f6ffentlich verbrennen zu wollen &#8211; um zu \u201cbeweisen\u201c, dass der Krieg, w\u00fcrde er gegen tierische Hausgenossen gef\u00fchrt, schon nach kurzer Zeit gestoppt worden w\u00e4re. Nat\u00fcrlich erhob sich die erwartete Protestwelle gegen das Vorhaben; unter anderem erbot sich eine Frau, sich anstelle des Hundes verbrennen zu lassen<a name=\"back10\"><\/a><sup><a href=\"#fuss10\">10<\/a><\/sup>.<\/p>\n<h2>Zum Vergleich: Der franz\u00f6sische Mai<\/h2>\n<p>Am Vormittag des 3. Mai wollten sich etwa 100 linksgerichtete Studenten gegen einen \u00dcberfall einer faschistischen Gruppe auf ihre Universit\u00e4t im Pariser Vorort Nanterre wehren. In der darauf folgenden Nacht lieferten sich im Quartier Latin Tausende von Polizisten eine Schlacht mit Tausenden von Studenten und einer gro\u00dfen Zahl von B\u00fcrgern, die sich mit den Studenten solidarisiert hatten. Drei Wochen sp\u00e4ter streikten im ganzen Land mehr als zehn Millionen Arbeiter im ersten \u201cwilden\u201c Generalstreik der franz\u00f6sischen Geschichte, viele Gro\u00dfbetriebe waren besetzt. Das Staatsoberhaupt, General de Gaulle, brach verunsichert einen Staatsbesuch in Rum\u00e4nien ab und wagte sich erst zur\u00fcck in sein lothringisches Heimatst\u00e4dtchen Colombey les-deux-\u00c9glieses, nachdem er sich in Dehland durch einen General der Loyalit\u00e4t der franz\u00f6sischen Armee hatte versichern lassen. Unter dem Druck der Verh\u00e4ltnisse wurde die Nationalversammlung aufgel\u00f6st, einen Monat sp\u00e4ter fanden Neuwahlen statt, und das aufgrund der Ereignisse politisch angeschlagene Staatsoberhaupt trat kurz danach unter einem Vorwand zur\u00fcck. So weit die Erfolgsbilanz.<\/p>\n<p>Allerdings hat die Medaille auch eine zweite Seite: Bei den Parlamentswahlen im Juni verzeichneten die Gaullisten einen klaren Wahlsieg. Die Arbeiterklasse hatte sich kaufen lassen und f\u00fcr eine 35prozentige Erh\u00f6hung des gesetzlichen Mindestlohnes auf die klassenlose Gesellschaft verzichtet. Und was n\u00fctzt die ganze Revolution, fragte sich Monsieur Dupont<a name=\"back11\"><\/a><sup><a href=\"#fuss11\">11<\/a><\/sup> , wenn das Benzin knapp wird, weil alle streiken?<\/p>\n<p>Die Aktionen im franz\u00f6sischen Mai waren nicht geplant und verfolgten, anders als etliche Aktionen der Studenten in Dehland, kein klar definiertes Ziel. Trotzdem waren sie erfolgreicher, was vor allem der Aktionseinheit von Proletariat und Studierenden geschuldet ist. Wie kam diese Aktionseinheit zustande?<\/p>\n<p>Eine nur scheinbar randst\u00e4ndige Episode des aktionsreichen 3. Mai mag eine Antwort geben. Das Quartier Latin befand sich am Abend im Belagerungszustand &#8211; schwer bewaffnete Polizisten der CRS standen den demonstrierenden linken Studenten gegen\u00fcber. In einer Stra\u00dfe neben der medizinischen Fakult\u00e4t stoppte ein Mann<a name=\"back12\"><\/a><sup><a href=\"#fuss12\">12<\/a><\/sup> seinen Wagen und fragte einen Beamten, was es gebe. Als Antwort erhielt er zwei Schl\u00e4ge mit dem Gummikn\u00fcppel &#8211; und schloss sich daraufhin den Demonstranten an.<\/p>\n<p>Ein Volk muss ein Gef\u00fchl f\u00fcr Recht und Unrecht haben anstatt Angst, sonst wird alles Quark, nicht aber Revolution!<a name=\"back13\"><\/a><sup><a href=\"#fuss13\">13<\/a><\/sup><\/p>\n<h2>Exkurs: Slogans<\/h2>\n<p>Bei einem Vergleich der Spr\u00fcche, die 1968 gepr\u00e4gt wurden, zeigen sich zwischen Dehland und Frankreich ebenfalls signifikante Unterschiede.<br \/>\nIn Frankreich gab es utopische Aussagen, die in Dehland v\u00f6llig fehlten, zum Beispiel:<\/p>\n<ul type=\"disc\">\n<ul type=\"disc\">\n<li>L&#8217;imagination prend le pouvoir!<\/li>\n<li>Je prends mes d\u00e9sirs pour des r\u00e9alit\u00e9s car je crois en la r\u00e9alit\u00e9 de mes d\u00e9sirs.<\/li>\n<\/ul>\n<\/ul>\n<p>oder die in Dehland unm\u00f6glich w\u00e4ren:<\/p>\n<ul type=\"disc\">\n<ul type=\"disc\">\n<li>Soyez r\u00e9alistes, demandez l&#8217;impossible!<\/li>\n<\/ul>\n<\/ul>\n<p>Dehl\u00e4ndische Kurzaussagen, die Wunschvorstellungen implizieren, waren dagegen meist nicht allgemeiner, sondern individuell-sexueller Natur:<\/p>\n<ul type=\"disc\">\n<ul type=\"disc\">\n<li>Petting statt Pershing!<\/li>\n<li>Wer zweimal mit derselben pennt, geh\u00f6rt schon zum Establishment.<\/li>\n<\/ul>\n<\/ul>\n<p>und partiell sogar resignativ:<\/p>\n<ul>\n<li>Euch die Macht &#8211; uns die Nacht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Frankreich fehlten Wortspiele unpolitischer Natur, die in Dehland weit verbreitet waren, v\u00f6llig:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Ich geh kaputt &#8211; gehst du mit?<\/li>\n<li>Lieber arm dran, als Arm ab!<a name=\"back14\"><\/a><sup><a href=\"#fuss14\">14<\/a><\/sup><\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00dcber Formulierungen, die Verweigerung und partiell Gegengewalt implizieren, verf\u00fcgen beide Spruchkulturen, zum Teil w\u00f6rtlich:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Imagine: c&#8217;est la guerre et personne n&#8217;y va! &#8211; Stell dir vor, es<br \/>\nist Krieg, und keiner geht hin!<\/li>\n<li>Sous les pav\u00e9s, la plage &#8211; Unter dem Pflaster liegt der Strand.<a name=\"back15\"><\/a><sup><a href=\"#fuss15\">15<\/a><\/sup><br \/>\noder sinnverwandt:<\/li>\n<li>Ne travaillez jamais! &#8211; Arbeit adelt &#8211; ich bleibe lieber b\u00fcrgerlich!<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Studierenden musste es auch um ihre Arbeitsbedingungen gehen, sollte man meinen, aber die franz\u00f6sischen taten das ganz kurz ab: \u201cFin de l&#8217;universit\u00e9!\u201c. Die Deutschen wollten dagegen in ihrem Elfenbeinturm unter verbesserten Bedingungen bleiben und verlangten: \u201cRunter mit der R\u00fcstung, mehr Geld f\u00fcr die Bildung!\u201c und: \u201cMarx an die Uni!\u201c.<\/p>\n<p>Resignation ist den Franzosen fremd. W\u00e4hrend die Dehl\u00e4nder Goethe zitieren: \u201cOh gl\u00fccklich, wer noch hoffen kann, ais diesem Meer des Irrtums aufzuwachen\u201c, oder selber schreiben: \u201cGestern standen wir noch vor einem Abgrund. Heute sind wir schon einen gro\u00dfen Schritt weiter.\u201c, fehlen \u00e4hnliche \u00c4u\u00dferungen bei den Franzosen v\u00f6llig.<\/p>\n<h2>Conclusio<\/h2>\n<p>Nicht die Dehl\u00e4ndischen \u201c68er\u201c sollten sich sentimental selbstverliebt an das Jahr 1968 erinnern, sondern rational selbstkritisch die Franzosen. Und die Franzosen sollten ihre n\u00e4chste Revolution ordentlich planen, damit sie endlich einmal klappt. Bei den Dehl\u00e4ndern sind eh Hopfen und Malz verloren.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Endnoten:<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss1\"><\/a><a href=\"#back1\">1.<\/a> Wir sind uns selbstverst\u00e4ndlich der Tatsache bewusst, dass die politischen Aktionen der dehl\u00e4ndischen Studierenden nicht erst 1968 begannen. Wir beschr\u00e4nken uns jedoch in dieser kleinen Untersuchung auf den Rahmen dieses Jahres.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss2\"><\/a><a href=\"#back2\">2<\/a>. Bezeichnend, dass man in Dehland derlei Anleitungen bedarf!<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss3\"><\/a><a href=\"#back3\">3.<\/a> Nat\u00fcrlich ist das eine Forderung, zu deren Charakterisierung selbst das wissenschaftlichen Kriterien nicht gen\u00fcgende Adjektiv &#8222;saubl\u00f6d\u201c nicht hinreicht. Da sie aber vom Berliner Senat formuliert worden war, wurde sie von den B\u00fcrgern akzeptiert, die diesen Senat ja gew\u00e4hlt hatten. Wir vermuten hier eine gewisse Reziprozit\u00e4t des Intellekts.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss4\"><\/a><a href=\"#back4\">4.<\/a> Es bleibt einer sp\u00e4teren Untersuchung vorbehalten, ob diese Verweigerung politische Gr\u00fcnde hatte oder ob ihre Ursache in dem schlechten Reim zu suchen ist.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss5\"><\/a><a href=\"#back5\">5.<\/a> Angesichts der Dominanz des gelben\u201c Journalismus, der nicht zuletzt aufgrund der Einf\u00fchrung des Privatfernsehens 1985 in Dehland einen Aufschwung genommen hat, an den 1968 niemand denken konnte, bleibt das nostalgische Schw\u00e4rmen vieler in die Jahre gekommener \u00e4lterer Herren in Erinnerung an ihre damaligen Blockadeversuche unverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss6\"><\/a><a href=\"#back6\">6.<\/a> Man sieht, dass es in Dehland 1968 keine humoristische Behandlung des Humors mehr gibt, anders als im angeblich dem Gel\u00e4chter so abholden zweiten Kaiserreich. Von Wilhelm II. wird berichtet, dass er sich k\u00f6stlich am\u00fcsiert habe, als er von Wilhelm Voigts erfolgreicher \u00dcbernahme des K\u00f6penicker Rathauses anno 1906 erfuhr.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss7\"><\/a><a href=\"#back7\">7.<\/a> H\u00e4tte das Gericht in diesem Prozess Psychiater als Gutachter hinzugezogen, w\u00e4re die Geschichte Dehlands vielleicht anders verlaufen.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss8\"><\/a><a href=\"#back8\">8.<\/a> Ein weiterer schlechter Reim, der ebenfalls keine Wirkung zeitigte.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss9\"><\/a><a href=\"#back9\">9.<\/a> Von Intellekt wollen wir hier vorsichtshalber nicht sprechen.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss10\"><\/a><a href=\"#back10\">10.<\/a> Homo homini lupus? Unsinn! Homo homini homo! Mich pers\u00f6nlich interessiert \u00fcbrigens, ob die Dame sich f\u00fcr einen B\u00e4ren ebenso stark gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss11\"><\/a><a href=\"#back11\">11.<\/a> Der franz\u00f6sische Bruder von Otto Normalverbraucher.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss12\"><\/a><a href=\"#back12\">12.<\/a> Es handelt sich um Claude Fr\u00e8che.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss13\"><\/a><a href=\"#back13\">13.<\/a> Der Spruch: \u201cDie Revolution ist gro\u00dfartig, alles andere ist Quark!\u201c ziert noch heute einige wenige H\u00e4userw\u00e4nde in Dehland.<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss14\"><\/a><a href=\"#back14\">14.<\/a> Die dehl\u00e4ndische Lust am Wortspiel f\u00fchrt sogar zu Entpolitisierungen politischer Aussagen. So hat ausgerechnet Wolfgang Neuss formuliert: \u201cAuf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen.\u201c Allerdings hat Neuss auch Kluges geschrieben, wie z. B.: \u201cDer Faschismus ist eine Spielart der freien Marktwirtschaft.\u201c<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><a name=\"fuss15\"><\/a> <a href=\"#back15\">15.<\/a> Diesen Slogan haben die Franzosen entwickelt, wenn auch die Frankfurter sogenannten \u201cSpontis\u201c ihn mit ihrer Zeitschrift \u201cPflasterStrand\u201c f\u00fcr sich zu reklamieren versuchten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort Es rauscht anno 2007 im dehl\u00e4ndischen Medienwald in der Vorschau auf ein wahrhaft wenig spektakul\u00e4res Jubil\u00e4um, n\u00e4mlich ein vierzigj\u00e4hriges. Wir sprechen vom Jahr 1968. Nun, Anl\u00e4sse zum Erinnern g\u00e4be es genug. Zum Beispiel wurde die Mehrwertsteuer im Januar in Dehland eingef\u00fchrt, der Vietcong gab dem Vietnamkrieg durch die TET-Offensive eine entscheidende Wendung, in den&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2007\/08\/anno-1968\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Anno 1968<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[9,8],"tags":[],"class_list":["post-73","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulle3-2","category-kulle3","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":88,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73\/revisions\/88"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}