{"id":528,"date":"2009-01-03T18:39:00","date_gmt":"2009-01-03T16:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=528"},"modified":"2017-03-26T18:41:17","modified_gmt":"2017-03-26T16:41:17","slug":"geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2009\/01\/geld\/","title":{"rendered":"Geld"},"content":{"rendered":"<p>Um halb neun erst ging die Sonne im Dezember in Dehland auf, und acht Stunden sp\u00e4ter war sie schon wieder tief unter dem Horizont verschwunden. Ordentliche Braunb\u00e4ren verschliefen solche unwirtlichen Jahreszeiten weitgehend, aber B\u00e4rdel und Kulle waren daf\u00fcr allm\u00e4hlich zu alt. Sie litten unter Schlafst\u00f6rungen und zelebrierten deshalb ihre traditionellen Morgenspazierg\u00e4nge auch an manchem Tag in der dunkelsten Jahreszeit.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/baerdel3.JPG\" alt=\"B\u00e4rdel\" width=\"536\" height=\"573\" \/><\/div>\n<p>Heute begann B\u00e4rdel ihren Dialog: &#8222;Kulle, was ist Geld?&#8220;<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle10.jpg\" alt=\"Kulle\" width=\"600\" height=\"450\" \/><\/div>\n<p>Der kleinere Kulle schaute den gr\u00f6\u00dferen B\u00e4rdel an und griente: &#8222;Was, mitten im Winter willst Du philosophieren?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Zum Witze machen bin ich denn doch zu m\u00fcde&#8220;, brummte B\u00e4rdel. &#8222;Ich habe Dir eine \u00f6konomische Frage gestellt, eine leichte Frage, dachte ich, und sonst gar nichts.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Die Frage ist aber auch h\u00f6chst philosophisch&#8220;, widersprach Kulle. &#8222;Die K\u00f6nigsfrage der Philosophie lautet doch wohl: Was ist der Mensch? H\u00f6r Dir dazu mal eine Antwort an! &#8218;So gro\u00df die Kraft des Geldes, so gro\u00df ist meine Kraft. Die Eigenschaften des Geldes sind meine &#8211; seines Besitzers &#8211; Eigenschaften und Wesenskr\u00e4fte. Das, was ich bin und vermag, ist also keineswegs durch meine Individualit\u00e4t bestimmt.<\/p>\n<p>Das Geld ist das h\u00f6chste Gut, also ist sein Besitzer gut, das Geld \u00fcberhebt mich \u00fcberdem der M\u00fche, unehrlich zu sein; ich werde also als ehrlich pr\u00e4sumiert; ich bin geistlos, aber das Geld ist der wirkliche Geist aller Dinge, wie sollte sein Besitzer geistlos sein? Das Geld verwandelt die Treue in Untreue, die Liebe in Hass, den Hass in Liebe, die Tugend in Laster, das Laster in Tugend, den Knecht in den Herrn, den Herrn in den Knecht, den Bl\u00f6dsinn in Verstand, den Verstand in Bl\u00f6dsinn.&#8216; Na?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Von wem ist das denn?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Von wem wohl &#8211; vom gr\u00f6\u00dften Philosophen aller Zeiten nat\u00fcrlich. Marx, aus den \u00f6konomisch-philosophischen Manuskripten.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Gut erkannt, finde ich. Die Menschen haben Haben und und verwechseln das mit Sein. Aber Dein Meisterphilosoph war im Nebenberuf, wenn ich das so formulieren darf, doch auch Wirtschaftswissenschaftler und hat sicher auch eine \u00f6konomische Antwort auf meine bescheidene Frage gegeben: Was ist Geld?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Mehrere Antworten sogar. Es k\u00f6mmt drauf an, ob Geld als Geld oder als Kapital genutzt wird. Im ersten Fall haben wir den Kreislauf W &#8211; G &#8211; W vorliegen, im zweiten Fall haben wir es mit G &#8211; W &#8211; G&#8216; zu tun. Beide unterscheiden sich&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Langsam, bitte! Eins nach dem anderen!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Gut. Also im ersten Fall ist Geld nur ein allgemeines Waren\u00e4quivalent. Man kann den Tauschwert aller Waren in Geld verwandeln und das Geld umgekehrt in die Waren, die man haben m\u00f6chte.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das hei\u00dft, Geld ist ungemein praktisch. Wenn ich eine Ware A habe und eine Ware B suche, muss ich nicht ewig nach jemandem suchen, der B hat.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ganz genau&#8220;, stimmte Kulle zu. &#8222;So weit, so gut. Leider hat das praktische System aber auch seine T\u00fccken.&#8220;<\/p>\n<p>Lass mich raten. Ich vermute, das Ganze geht schief, wenn es mehr Geld gibt als Warentauschwerte. Oder weniger. Richtig?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Richtig. Im ersten Fall gibt es Inflation, alles wird immer teurer, weil es zu viel Geld gibt. Wenn zu wenig Geld vorhanden ist, kaufen die Leute nichts, und das ist zwar gut f\u00fcr die Umwelt, nicht aber f\u00fcr die Produzenten. Sie senken deshalb die Preise, und die Menschen kaufen noch weniger, weil sie erwarten, dass in Zukunft alles noch billiger sein wird. Und schon haben wir die sch\u00f6nste Deflation.&#8220; Kulle machte eine gekonnte Kunstpause. &#8222;Zumindest in der Theorie.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ach, nicht in der Realit\u00e4t?&#8220; B\u00e4rdel wusste genau, womit er seinem eitlen Freund eine Freude machen konnte.<\/p>\n<p>&#8222;Nein, jedenfalls nicht immer. Nicht in den letzten Jahrzehnten. Ich habe keine Ahnung, wer einen genauen \u00dcberblick dar\u00fcber hat, wie viel Geld es auf der Welt gibt. Vielleicht Ben Bernanke. aber auch das bezweifle ich. In Bezug auf eine Aussage sind sich alle \u00d6konomen gegenw\u00e4rtig jedoch einig, ob sie nun Neocons sind oder Sozialisten: In den letzten 40 oder 50 Jahren ist die Geldmenge viel schneller gestiegen als das BIP. Manche gehen von einem f\u00fcnffachen Wert aus, andere vom zehnfachen. Wir haben es also mit der Grundlage einer wundersch\u00f6nen Inflation zu tun. Theoretisch jedenfalls.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Du wirst mir das bestimmt gleich erkl\u00e4ren k\u00f6nnen.&#8220; B\u00e4rdel mimte den Hilflosen.<\/p>\n<p>&#8222;Kann ich,&#8220; t\u00f6nte Kulle, von keinerlei Selbstzweifel geplagt. &#8222;Jetzt wird der zweite Geldkreislauf interessant: G &#8211; W &#8211; G&#8216;. Fr\u00fcher haben die Kapitalisten aus Geld mehr Geld gemacht, indem sie die an sie verkaufte Arbeitskraft ausgebeutet haben. Danach haben sie die Produkte zum wirklichen Tauschwert verkauft, und fertig war der Profit. Ein in der Regel ma\u00dfvoller Profit, aber ein Profit. Jedoch ist das Kapital, das scheue Reh, stets auf der Suche nach mehr. &#8218;Mit entsprechendem Profit wird Kapital k\u00fchn. Zehn Prozent sicher, und man kann es \u00fcberall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; f\u00fcr 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu\u00df; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens.&#8216; Ist nat\u00fcrlich auch von Marx.<\/p>\n<p>Neuerdings gibt es also einen riesengro\u00dfen Luftballon voller Geld. Dieses Geld darf man nicht einfach f\u00fcr Dinge des t\u00e4glichen Bedarfs ausgeben, denn sonst haben wir die sch\u00f6nste Inflation. Auch Kapitalisten kennen die \u00f6konomische Theorie, wenigstens zum Teil. Was also sollen sie machen?&#8220; Kulle sah B\u00e4rdel auffordernd an.<\/p>\n<p>&#8222;Vielleicht spielen?&#8220; schlug B\u00e4rdel vor. &#8222;Den Luftballon ein bisschen schubsen, mal hierhin und mal dorthin, in der Hoffnung, dass jemand reinpustet und ihn noch gr\u00f6\u00dfer macht. Dieses Spiel beinhaltet allerdings auch das Risiko, dass jemand eine Nadel in den Ballon piekst, und dann: Pfffffftttt&#8230;&#8220; B\u00e4rdel war sich ziemlich sicher, dass Kulle zumindest seine Lieblingsmetapher wiedererkennen und sich mit einer herzhaften Rauferei f\u00fcr das Plagiat &#8218;bedanken&#8216; w\u00fcrde, aber nichts dergleichen geschah.<\/p>\n<p>&#8222;Das mit dem &#8218;Pfffffftttt&#8216; h\u00e4tte glatt von mir sein k\u00f6nnen&#8220;, kommentierte Kulle anerkennend. &#8222;Im \u00fcbrigen hast Du recht. Sie hatten einen Geldluftballon, eine Finanzblase, und sie haben gespielt. Haben gezockt. Haben neue sogenannte &#8218;Produkte&#8216; erfunden, in die man investieren konnte. Wie hoch wird in einem Jahr der Weizenpreis sein? Alte Idee. Aber: Wie hoch wird der Kurs der B\u00f6rse in Tokio in 53 Tagen sein? Wird er im Rhythmus von zehn Tagen in den n\u00e4chsten sechs Monaten steigen oder fallen? Wie hoch ist der Prozentsatz, um den er steigt? Oder f\u00e4llt? Was macht er an welchen Stichtagen? Bessere Ideen, kompliziertere Ideen, neuere Ideen \u2013 riskantere Ideen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich verstehe&#8220;, sagte B\u00e4rdel. &#8222;Gl\u00fccksspiel pur. Aber Gl\u00fccksspiel ist nur was f\u00fcr Leute, die es sich leisten k\u00f6nnen. Die meisten Menschen sind doch Habenichtse, auch in den sogenannten reichen L\u00e4ndern. Hat es gereicht, nur mit den Reichen zu spielen, um genug Profit machen zu wollen?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Nein, hat es nicht. Die guten alten warenproduzierenden Kapitalisten haben sich in die Gew\u00e4nder moderner Kredithaie geworfen und den Habenichtsen genug Geld versprochen, um endlich ihre irdischen Tr\u00e4ume verwirklichen zu k\u00f6nnen. Dabei haben sie ihre Rei\u00dfz\u00e4hne nat\u00fcrlich versteckt &#8211; und erst sp\u00e4ter hat sich herausgestellt, dass sie gar keine hatten.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Zahnlose Haie? Geld f\u00fcr Habenichtse? Ich verstehe gerade gar nichts!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das verstehe ich gut. Lass Dich entf\u00fchren in das Land des Geldes, in dem auf jeder Dollarnote steht: &#8218;In God we trust&#8220;, in das Land der Freien, in dem jedem und allm\u00e4hlich auch jeder und neuerdings vielleicht sogar den Negern, die nicht mehr so hei\u00dfen, weil das politisch inkorrekt ist, obwohl sie es sind, was die Statistik der Gef\u00e4ngnisinsassen auf den ersten Blick belegt, auch wenn der neue Pr\u00e4sident jetzt braun ist, in dem also Geld und Gottvertrauen f\u00fcr die Freien identisch sind und in dem jeder das Recht hat, sein Gl\u00fcck oder &#8211; je nach \u00dcbersetzung &#8211; seine Gl\u00fcckseligkeit zu verfolgen &#8211; und vielleicht gar zu realisieren?&#8220;<\/p>\n<p>Kulle war der Zorn anzuh\u00f6ren, der Zorn \u00fcber die Hybris der Verfasser der amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung, \u00fcber die gesellschaftliche Realit\u00e4t der Vereinigten Staaten von Amerika und \u00fcber seine eigene aktuelle Unf\u00e4higkeit, seine Kritik angemessen zu artikulieren.<\/p>\n<p>&#8222;Entschuldigung!&#8220; murmelte er. &#8222;Manchmal&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Manchmal verhindert alle b\u00e4rische berechtigte Verachtung des Menschengeschlechts nicht, dass wir uns \u00fcber den sogenannten Homo sapiens sapiens kr\u00e4ftig \u00e4rgern. Mach ich ja auch. Aber erkl\u00e4r mir die Sache bitte trotzdem&#8220;, bat B\u00e4rdel.<\/p>\n<p>Kulle riss sich zusammen.<\/p>\n<p>&#8222;Habenichtse haben nichts, haben kein Haben. Das wollen sie unbedingt \u00e4ndern. Sie wollen ein Auto, einen Flachbildschirm, ein Haus, und alles immer im Komparativ. Haben z\u00e4hlt nur, wenn es gr\u00f6\u00dfer ist als das des Nachbarn. Wie kommt man dazu, wenn man kein Geld hat? \u00dcber einen Kredit nat\u00fcrlich. Der Kredit kann Kreditkarte hei\u00dfen oder Hypothek oder Konsumentenkredit \u2013 egal. Ein Kredit ist Geld, das man nicht hat und das man trotzdem ausgeben kann.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Hm&#8220;, sagte B\u00e4rdel, und jetzt war seine Nachdenklichkeit nicht gespielt. &#8222;Ich begreife, was die Habenichtse wollen &#8211; oder gewollt haben. Nein, wollen. Sie sind vermutlich unverbesserlich. Was ich nicht verstehe, ist, wer ihnen Geld geliehen hat \u2013 und warum.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wer? Nat\u00fcrlich die Kredithaie! Und warum? Haie wollen fressen! Sie haben darauf gesetzt, ihr Geld zur\u00fcckzukriegen!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Kulle!&#8220; B\u00e4rdel geriet selten au\u00dfer Fassung, aber jetzt war er kurz davor. &#8222;Kulle! Was ist mit Deiner Logik los? Wie bekommt man Geld von jemandem, der kein Geld hat?&#8220;<\/p>\n<p>Kulle lie\u00df sich Zeit. &#8222;Mit meiner Logik ist alles in Ordnung. \u00dcbrigens spreche ich nicht von mir. Unter welchen Bedingungen kann man Geld zur\u00fcckbekommen, das man Habenichtsen zu Konsumzwecken zur Verf\u00fcgung gestellt hat? Na? Wie sieht da wohl die Kredithai-Logik aus?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das kann eigentlich nur klappen, wenn der Wert der Konsumg\u00fcter immer weiter steigt&#8220;, brummte B\u00e4rdel z\u00f6gernd. &#8222;Aber das ist doch Unsinn. Ein Gebrauchtwagen ist weniger wert als ein neues Auto, das wei\u00df doch jedes B\u00e4renkind!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;In Bezug auf Autos hast Du v\u00f6llig Recht, und eigentlich sollte das f\u00fcr alle Waren gelten. Allerdings ist es schon wiederholt gelungen, dieses Gesetz bei Immobilien au\u00dfer Kraft zu setzen &#8211; in der Vergangenheit in Japan, aktuell in Spanien, Gro\u00dfbritannien und, was am wichtigsten ist, in den USA. Die H\u00e4user der Habenichtse wurden von Tag zu Tag wertvoller, und so war es den &#8218;Besitzern&#8216; ein Leichtes, eine alte Hypothek zur\u00fcckzuzahlen, und zwar mit einer neuen, h\u00f6heren. Von dem Zusatzgeld kauften sie sich was Sch\u00f6nes&#8230;und alles w\u00e4re gut, wenn das immer so weiter gegangen w\u00e4re. Ist es aber nicht. Eines Tages fielen die Preise, Schluss war mit dem Extrakonsum, und die Kredithaie sahen mit offenen M\u00e4ulern zahnlos zu, wie ihre Hypotheken sich in Luft aufl\u00f6sten &#8211; von Habenichtsen konnten sie nichts holen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Dann ist doch endlich wieder alles gut!&#8220; freute sich B\u00e4rdel. &#8222;Das Geld, das futsch ist, war doch sowieso zu viel, hast Du gesagt.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Deine Bewertung gilt f\u00fcr den Kreislauf W &#8211; G &#8211; W, wenn Geld nur als Tauschmittel fungiert. Hier aber bewegen wir uns in dem anderen Kreislauf G &#8211; W &#8211; G&#8216;, es geht um Geld als Kapital. Und das ist vernichtet worden &#8211; der Horror jedes Kapitalisten. Nichts ist also gut.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Na und? Dann sollen die Menschen eben einen neuen Anlauf nehmen, wenn es sein muss, einen neuen kapitalistischen. Wie hast Du das vorhin gesagt: &#8218; Fr\u00fcher haben die Kapitalisten aus Geld mehr Geld gemacht, indem sie die an sie verkaufte Arbeitskraft ausgebeutet haben. Danach haben sie die Produkte zum wirklichen Tauschwert verkauft, und fertig war der Profit.'&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wahrscheinlich w\u00fcrden die Menschen das gerne tun, aber dazu fehlt ihnen das Geld&#8220;, gab Kulle zu bedenken.<\/p>\n<p>&#8222;Wieso?&#8220; B\u00e4rdel verstand das nicht. &#8222;Es ist doch immer noch genug Geld da!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Geld ja, aber nicht genug. Nach dem Flop mit den Hypotheken leiht n\u00e4mlich niemand niemandem mehr was, aus Angst, sein Geld nicht zur\u00fcckzubekommen. Du siehst, das Hegelsche Pendel schl\u00e4gt zu.&#8220;<\/p>\n<p>B\u00e4rdel wusste nichts von einem Hegelschen Pendel, und dass ein Pendel zuschlagen konnte, war ihm auch neu, aber er hatte begriffen, dass es um Kredite ging. &#8222;Wer will oder muss sich denn jetzt nach all dem noch Geld leihen?&#8220; fragte er verwirrt.<\/p>\n<p>&#8222;Na, die Produzenten nat\u00fcrlich&#8220;, antwortete Kulle und pfl\u00fcckte eine einsame Hagebutte, die er im ersten Morgenlicht ersp\u00e4ht hatte, von einem Strauch. &#8222;In Dehland sind die produzierenden Betriebe im Schnitt nur zu 20% eigenkapitalfinanziert, wusstest Du das nicht?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Willst Du damit sagen&#8230;&#8220; B\u00e4rdel war so perplex, dass er gar nicht auf die Idee kam, sich auf die zweite sichtbare Hagebutte zu st\u00fcrzen, obwohl die Fr\u00fcchte der Heckenrose zu seinen Lieblingsspeisen geh\u00f6rten. &#8222;Willst Du damit sagen, dass ein neuer Wirtschaftsanlauf auch nur auf Pump m\u00f6glich ist?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Exakt!&#8220; Kulle stimmte heiter zu und pfl\u00fcckte sich die zweite Hagebutte. Als er die Fruchtschale zusammendr\u00fcckte und zum Platzen brachte, entstand ein leises &#8218;Pfffffftttt&#8216;.<\/p>\n<p>&#8222;Meine Tussi!&#8220; fl\u00fcsterte B\u00e4rdel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um halb neun erst ging die Sonne im Dezember in Dehland auf, und acht Stunden sp\u00e4ter war sie schon wieder tief unter dem Horizont verschwunden. Ordentliche Braunb\u00e4ren verschliefen solche unwirtlichen Jahreszeiten weitgehend, aber B\u00e4rdel und Kulle waren daf\u00fcr allm\u00e4hlich zu alt. Sie litten unter Schlafst\u00f6rungen und zelebrierten deshalb ihre traditionellen Morgenspazierg\u00e4nge auch an manchem Tag&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2009\/01\/geld\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Geld<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[9,7,16],"tags":[],"class_list":["post-528","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulle3-2","category-kulle2","category-philosophisches","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=528"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/528\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":529,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/528\/revisions\/529"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}