{"id":513,"date":"2011-10-02T18:09:03","date_gmt":"2011-10-02T16:09:03","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=513"},"modified":"2017-03-26T18:12:11","modified_gmt":"2017-03-26T16:12:11","slug":"klima-und-nationalstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2011\/10\/klima-und-nationalstaat\/","title":{"rendered":"Klima und Nationalstaat"},"content":{"rendered":"<h2>von P. D. Kulle<\/h2>\n<h3>Inhalt:<\/h3>\n<p>1. Vorwort<\/p>\n<p>2. Die Entstehung des Nationalstaats<\/p>\n<p>3. Nationalstaat und Nationalstaaten<\/p>\n<p>4. Die Klimakatastrophe<\/p>\n<p>5. Conclusio<\/p>\n<p>6. Nachwort<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle8.jpg\" alt=\"PD Kulle\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/div>\n<h4>1. Vorwort<\/h4>\n<p>Ich \u00fcberlasse es dem gesch\u00e4tzten Kollegen Erich K\u00e4stner, die Pr\u00e4ambel, die zugleich den Charakter eines vorl\u00e4ufigen Epilogs hat, zu formulieren.<\/p>\n<p>Einst haben die Kerls auf den B\u00e4umen gehockt,<\/p>\n<p>behaart und mit b\u00f6ser Visage.<\/p>\n<p>Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt<\/p>\n<p>und die Welt asphaltiert und aufgestockt,<\/p>\n<p>bis zur drei\u00dfigsten Etage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da sa\u00dfen sie nun, den Fl\u00f6hen entflohn,<\/p>\n<p>in zentralgeheizten R\u00e4umen.<\/p>\n<p>Da sitzen sie nun am Telefon.<\/p>\n<p>Und es herrscht noch genau derselbe Ton<\/p>\n<p>wie seinerzeit auf den B\u00e4umen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie h\u00f6ren weit. Sie sehen fern.<\/p>\n<p>Sie sind mit dem Weltall in F\u00fchlung.<\/p>\n<p>Sie putzen die Z\u00e4hne. Sie atmen modern.<\/p>\n<p>Die Erde ist ein gebildeter Stern<\/p>\n<p>mit sehr viel Wassersp\u00fclung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie schie\u00dfen die Briefschaften durch ein Rohr.<\/p>\n<p>Sie jagen und z\u00fcchten Mikroben.<\/p>\n<p>Sie versehn die Natur mit allem Komfort.<\/p>\n<p>Sie fliegen steil in den Himmel empor<\/p>\n<p>und bleiben zwei Wochen oben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ihre Verdauung \u00fcbrigl\u00e4\u00dft,<\/p>\n<p>das verarbeiten sie zu Watte.<\/p>\n<p>Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.<\/p>\n<p>Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,<\/p>\n<p>da\u00df C\u00e4sar Plattf\u00fc\u00dfe hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So haben sie mit dem Kopf und dem Mund<\/p>\n<p>Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.<\/p>\n<p>Doch davon mal abgesehen und<\/p>\n<p>bei Lichte betrachtet sind sie im Grund<\/p>\n<p>noch immer die alten Affen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>2. Die Entstehung des Nationalstaats<\/h3>\n<p>Schon damals, als &#8222;die Kerls&#8220; noch &#8222;auf den B\u00e4umen&#8220; &#8222;hockten&#8220;, im pr\u00e4hominiden Zustand also, bevor der aufrechte Gang <sup><a title=\"Wir sprechen vom aufrechten Gang nur im physiologischen, nicht im metaphorischen Sinn.\" href=\"#fuss\">(1)<\/a><\/sup><br \/>\nsich als normale Fortbewegungsweise durchsetzte, gab es zweifellos Territorialk\u00e4mpfe: K\u00e4mpfe um den h\u00f6chsten Baum mit optimaler Lichteinstrahlung, um den Baum mit den nahrhaftesten Fr\u00fcchten, um den mit den gr\u00f6\u00dften Bl\u00e4ttern f\u00fcr den Nestbau und so fort.<\/p>\n<p>Allerdings hat sich dieser Kampf nicht, wie K\u00e4stner in dichterischer Freiheit behauptet, unmittelbar danach in zentralbeheizten R\u00e4umen fortgesetzt. Dergleichen gab es erstmals im sogenannten alten Rom <sup><a title=\"mit dem Hypokaustensystem\" href=\"#fuss\">(2)<\/a><\/sup> und danach nach langer Unterbrechung erst wieder im 20. Jahrhundert. Auf den Baum folgt nicht das wohltemperierte 30. Stockwerk, sondern die dunkle H\u00f6hle, die, wie auch die luftige Behausung, erobert und verteidigt werden muss: Mitmenschen, B\u00e4ren und W\u00f6lfe <sup><a title=\"nota bene: in dieser Reihenfolge\" href=\"#fuss\">(3)<\/a><\/sup> sind die h\u00e4ufigsten Feinde.<\/p>\n<p>\u00c4rgerlich, dass eine einmal eroberte H\u00f6hle kein sicherer Besitz des Eroberers ist: Er kann seinen Wohnort durch kein Gesetz garantieren lassen, er kann nur versuchen, ihn gegen das Recht des St\u00e4rkeren zu verteidigen.<\/p>\n<p>Was tun? Eine sich anbietende M\u00f6glichkeit ist, sich mit den Nachbarn auf guten Fu\u00df zu stellen. Das ist in der Geschichte der Menschen einmal mehr, einmal weniger gelungen. Die sardische Nuraghenkultur, in der ein Wehrturm keine zwei Kilometer vom n\u00e4chsten entfernt stand, ist ein Beispiel f\u00fcr das Misslingen dieser Strategie, die griechischen Poleis, die, wenn sie prosperierten, sich von Stadtstaaten zu St\u00e4dteb\u00fcndnissen entwickelten, stehen f\u00fcr den Erfolg.<\/p>\n<p>Schon diese beiden Beispiele zeigen: Es gilt, Raum zu gewinnen. Eigener Raum begrenzt das Territorium des vermeintlichen oder tats\u00e4chlichen, jedenfalls immer potentiellen Feindes, Raum schafft die M\u00f6glichkeit der Verteidigung, denn er bietet gegebenenfalls Platz zur\u00fcckzuweichen, Raum produziert Nahrungsmittel etcetera.<\/p>\n<p>Allerdings n\u00fctzt der gr\u00f6\u00dfte Raum nichts, wenn er nicht gesichert werden kann. Zur Sicherung gro\u00dfer Territorien braucht man bewaffnete Menschen, die entweder aus aktuellem Anlass zusammengerufen oder f\u00fcr den \u00e4u\u00dferst wahrscheinlichen Fall des Falles pr\u00e4emptiv bereitgehalten werden.<\/p>\n<p>Es ist evident, dass dergleichen gro\u00dfr\u00e4umige Aktivit\u00e4ten nicht von einem h\u00f6hlenbewohnenden Clan bewerkstelligt werden k\u00f6nnen, der v\u00f6llig damit ausgelastet ist, die Nahrungsmittel f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf jagend und sammelnd herbeizuschaffen. Ein gesellschaftliches Mehrprodukt auf der Basis landwirtschaftlicher Produktion ist daf\u00fcr erforderlich, das so gro\u00df ist, dass eine das Verteidigungshandwerk aus\u00fcbende Schicht, Klasse oder Kaste von der Handarbeit freigestellt werden kann.<\/p>\n<p>Wes bedarf es noch, um den Raum zu sichern? Die Bewohner angrenzender R\u00e4ume m\u00fcssen wissen, dass dieser Raum existiert. Man muss den Raum also wenn auch nicht mathematisch, so doch politisch-geografisch definieren. Eine solche Definition wird als Grenzziehung bezeichnet. Als Grenzen bieten sich sogenannte naturr\u00e4umliche Gegebenheiten wie Fl\u00fcsse oder Gebirge an, die es an sich <sup><a title=\"Ich bitte den Kollegen Kant wegen dieser Formulierung um Verzeihung.\" href=\"#fuss\">(4)<\/a><\/sup> \u00e4hnlich bewaffneten Menschen aus angrenzenden R\u00e4umen erschweren, den eigenen Raum zu betreten. Es bedarf zus\u00e4tzlich auch der Verst\u00e4ndigung dar\u00fcber, wo die Grenze verl\u00e4uft; es bedarf also der Sprache, der Sprachgemeinschaft. Wer &#8222;Grenze&#8220; sagt, grenzt sich gegen\u00fcber dem ab, der von der &#8222;fronti\u00e8re&#8220; parliert.<\/p>\n<p>Voil\u00e0, l\u2018\u00e9tat, c\u2018est moi <sup><a title=\"Manchmal ist der Chef ein wenig gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig, finde ich. Die Sekret\u00e4rin\" href=\"#fuss\">(5)<\/a><\/sup> ; oder auch: Der Nationalstaat ist entstanden <sup><a title=\"zu lang: siehe unten\" href=\"#fuss\">(6)<\/a><\/sup>.<\/p>\n<h4>3. Nationalstaat und Nationalstaaten<\/h4>\n<p>Viele Nationalstaaten sind entstanden, viele Horden bewaffneter M\u00e4nner <sup><a title=\"vgl. \u00e4hnliches vielerorts bei Marx und Engels\" href=\"#fuss\">(7)<\/a><\/sup>. Innerhalb der Staaten ist der Umgang miteinander meist recht genau definiert: Es ist klar festgelegt, wer herrscht, ob zum Beispiel ein Rechtsstaat etabliert ist oder ob die herrschende Gruppe die nicht herrschende nach Gutd\u00fcnken unterdr\u00fccken darf, welche Freiheiten, vor allem Freiheiten wirtschaftlicher Natur, die Bewohner <sup><a title=\"zu lang: siehe unten\" href=\"#fuss\">(8)<\/a><\/sup> sich herausnehmen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Das Recht, das zwischen Nationalstaaten herrscht, war und ist fragilerer Natur. Obwohl es euphemistisch als V\u00f6lkerrecht <sup><a title=\"zu lang: siehe unten\" href=\"#fuss\">(9)<\/a><\/sup> bezeichnet wird, gleicht es eher den Strukturen, die die gesellschaftlichen Beziehungen in &#8222;failed States&#8220; kennzeichnen. Auseinandersetzungen bis hin zu Kriegen sind die Regel, nicht die Ausnahme, verursacht durch &#8222;nationale Interessen&#8220;. Immerhin gibt es internationale Abkommen, in denen detailliert geregelt ist, unter welchen Voraussetzungen Menschen andere Menschen legal t\u00f6ten d\u00fcrfen und was mit den nicht ganz Toten, also nur Verwundeten, zu geschehen hat <sup><a title=\"vgl. die Haager landkriegsordnung und die Genfer Konventionen\" href=\"#fuss\">(10)<\/a><\/sup>. Man sieht: Manchmal reden Menschen sogar miteinander und kommen zu Ergebnissen.<\/p>\n<h4>4. Die Klimakatastrophe<\/h4>\n<p>Die Notwendigkeit, miteinander zu verhandeln und dabei zu Ergebnissen zu kommen, hat im Lauf der menschlichen Geschichte zugenommen. Das erkl\u00e4rt sich auch, aber nicht nur rein quantitativ: F\u00fcr die be\u00e4ngstigend zunehmende Weltbev\u00f6lkerung wird es immer schwerer, Konflikte zu vermeiden.<\/p>\n<p>Nun basiert die \u00d6konomie dieser Weltbev\u00f6lkerung seit der Industriellen Revolution auf der Vernutzung <sup><a title=\"Ich wollte dem Chef diesen Begriff ausreden, hatte aber keinen Erfolg. Er findet ihn so sch\u00f6n, weil Marx ihn h\u00e4ufig verwendet. Die Sekret\u00e4rin\" href=\"#fuss\">(11)<\/a><\/sup> fossiler Energietr\u00e4ger, was die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosph\u00e4re auf gegenw\u00e4rtig<sup> <a title=\"2010\" href=\"#fuss\">(12)<\/a><\/sup><br \/>\n388 ppm gegen\u00fcber 270 ppm vor der IR hat ansteigen lassen. Aufgrund dessen hat bereits ein weltweiter Temperaturanstieg begonnen, der, falls keine effektiven Gegenma\u00dfnahmen ergriffen werden, die Existenz der menschlichen Rasse gef\u00e4hrden d\u00fcrfte <sup><a title=\"Wie meine Leser wissen, bedaure ich dergleichen nicht, aber leider ist auch das Leben der B\u00e4ren gef\u00e4hrdet.\" href=\"#fuss\">(13)<\/a><\/sup>. Das ist sogar den Menschen aufgefallen. Seit dem sogenannten Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro hat es nicht weniger als 16 (sechzehn!) Umweltkonferenzen unter der Schirmherrschaft der UNO gegeben, ohne dass ein f\u00fcr alle Staaten rechtlich verbindliches Abkommen geschlossen worden w\u00e4re. Und warum nicht? Weil die Regierungen der Nationalstaaten um ihre kostbaren Standortvorteile f\u00fcrchten!<\/p>\n<h4>5. Conclusio<\/h4>\n<p>Nun denn, bald wird es zwar noch Standorte geben, nicht aber Vorteile. Ich verweise nochmals auf die klugen Bewertungen des Kollegen K\u00e4stner und komme wie stets zu dem treffenden Schluss:<\/p>\n<pre><span style=\"color: #ff0000;\">Pfffffffftt..........<\/span><\/pre>\n<h4>6. Nachwort<\/h4>\n<p>Ich danke wie immer meiner Sekret\u00e4rin. M\u00f6ge Tussi <sup><a title=\"Gottheit des Chefs. Die Sekret\u00e4rin\" href=\"#fuss\">(14)<\/a><\/sup> Wunder tun und uns alle k\u00fchle Zeiten genie\u00dfen lassen!<\/p>\n<hr \/>\n<p><a name=\"fuss\"><\/a><br \/>\nFu\u00dfnoten:<\/p>\n<p class=\"fussnoten\">1. Wir sprechen vom aufrechten Gang nur im physiologischen, nicht im metaphorischen Sinn.<\/p>\n<p>2. mit dem Hypokaustensystem<\/p>\n<p>3. nota bene: in dieser Reihenfolge<\/p>\n<p>4. Ich bitte den Kollegen Kant wegen dieser Formulierung um Verzeihung.<\/p>\n<p>5. Manchmal ist der Chef ein wenig gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig, finde ich. Die Sekret\u00e4rin<\/p>\n<p>6. Jedenfalls ist das der Regelfall. Wie es mehrsprachige Staaten wie zum Beispiel die viersprachige Schweiz geschafft haben, mehr als ein Jahrhundert zu \u00fcberleben, muss noch untersucht werden. Unsere vorl\u00e4ufige Hypothese ist, dass die Schweizer \u00fcber ein au\u00dferordentliches Intelligenzgen verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>7. vgl. \u00e4hnliches vielerorts bei Marx und Engels<\/p>\n<p>8. Es w\u00e4re wahrscheinlich korrekter, die Bewohner als Insassen zu bezeichnen, allerdings ist das nicht \u00fcblich. Zu meinem Bedauern ist auch die b\u00e4rische Politologie noch nicht zu dem Schluss gekommen, dass sich die menschliche Gesellschaft nur mit einer Terminologie aus dem Bereich der Psychiatrie angemessen beschreiben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>9. Wenn die politische Klasse eines Staates ihrem Volk alle Rechte nimmt und andere Menschen sich dar\u00fcber emp\u00f6ren, erkl\u00e4rt diese Klasse, es handele sich um &#8222;innere Angelegenheiten&#8220;.<\/p>\n<p>10. vgl. die &#8222;Haager Landkriegsordnung&#8220; und die &#8222;Genfer Konventionen&#8220;<\/p>\n<p>11. Ich wollte dem Chef diesen Begriff ausreden, hatte aber keinen Erfolg. Er findet ihn so sch\u00f6n, weil Marx ihn h\u00e4ufig verwendet. Die Sekret\u00e4rin<\/p>\n<p>12. 2010<\/p>\n<p>13. Wie meine Leser wissen, bedaure ich dergleichen nicht, aber leider ist auch das Leben der B\u00e4ren gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>14. Gottheit des Chefs. Die Sekret\u00e4rin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von P. D. Kulle Inhalt: 1. Vorwort 2. Die Entstehung des Nationalstaats 3. Nationalstaat und Nationalstaaten 4. Die Klimakatastrophe 5. Conclusio 6. Nachwort 1. 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