{"id":475,"date":"2006-12-20T17:36:04","date_gmt":"2006-12-20T15:36:04","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=475"},"modified":"2017-03-14T17:37:14","modified_gmt":"2017-03-14T15:37:14","slug":"kulle-traeumt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2006\/12\/kulle-traeumt\/","title":{"rendered":"Kulle tr\u00e4umt"},"content":{"rendered":"<p>Kulle tr\u00e4umt.<br \/>\nDie Materie taumelt durch den Weltenraum.<br \/>\nEin Raumschiff taumelt durch den Weltenraum. Es fliegt zur Erde.<br \/>\nKulle ist in dem Raumschiff. Er hat keine Ahnung, wie er dahin gekommen ist oder was er dort soll. Er wandert herum, sieht unbekannte Apparaturen, versteht nichts. Linien und Zahlen rasen \u00fcber Bildschirme. Pl\u00f6tzlich steht er vor einem Spiegel und sieht etwas Verst\u00e4ndliches, n\u00e4mlich sich. Aber das Objekt, vor dem er sich befindet, ist kein Spiegel, sondern ein Durchlass. Kulle steht nicht vor seinem Spiegelbild, sondern vor seinem Ebenbild. Der Pilot des Raumschiffes ist ein kleiner B\u00e4r. Er \u00e4hnelt Kulle aufs Haar, mit einem winzigen Unterschied: Rechts und links der Ohren wachsen ihm zwei borstend\u00fcnne Sensoren aus dem Kopf. Daran erkennt Kulle selbstverst\u00e4ndlich sofort den Extraterrestrier, aber weil der ein B\u00e4r ist, unterstellt er, dass er seine Sprache kann.<br \/>\n\u201cWas willst du auf der Erde?\u201d fragt Kulle.<br \/>\n\u201cDer Kurs wurde einprogrammiert, weil von diesem Planeten Radiowellen emittiert werden. Sie konnten zum Teil entschl\u00fcsselt werden. Sie deuten auf die Existenz intelligenter Lebewesen hin. Deshalb wollen wir ihn erforschen.\u201d<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle3.jpg\" width=\"320\" height=\"240\" align=\"left\" border=\"0\" \/>Kulle lacht und sagt: \u201cDa forsche ich mit!\u201d<br \/>\nDer kleine B\u00e4r liest seine Instrumente ab und versteht nat\u00fcrlich alles: Die lokale Sonne umkreist das Zentrum der Galaxis in einem mittleren Abstand von 26.000 Lichtjahren und befindet sich damit in einem ihrer Seitenarme. Es ist ein Stern aus Wasserstoff und Helium wie die meisten im Universum, geh\u00f6rt allerdings zu den gr\u00f6\u00dferen. Sein dritter Planet in acht Lichtminuten Abstand ist die winzige \u201cErde\u201d, die \u00fcber eine Atmosph\u00e4re verf\u00fcgt, die zu etwa 78% aus Stickstoff und zu ca. 21% aus Sauerstoff besteht.<br \/>\n\u201cWir landen gleich!\u201d sagt der kleine B\u00e4r.<br \/>\n\u201cWo?\u201d will Kulle wissen.<br \/>\n\u201cDa, wo die meisten Informationen herkommen. Wir haben ihren geografischen Code geknackt. Demzufolge handelt es sich um ein kleines Gebiet auf etwa 37\u00b0 n\u00f6rdlicher Breite und 77\u00b0 westlicher L\u00e4nge.\u201d<br \/>\n\u201cOh Tussi!\u201d st\u00f6hnt Kulle. \u201cDas ist das Pentagon! Da k\u00f6nnen wir nicht&#8230;\u201d<br \/>\n\u201cWir sind da!\u201d sagt der kleine B\u00e4r unger\u00fchrt. \u201cWir empfangen und analysieren jetzt die wichtigsten Daten.\u201d<br \/>\n\u201cAber&#8230;\u201d jammert Kulle.<br \/>\n\u201cKeine Sorge,\u201d beruhigt der kleine B\u00e4r. \u201cEs dauert nicht lange.\u201d<br \/>\nKulle wandert unruhig in dem Raumschiff umher. Er h\u00f6rt nur das Summen von Maschinen. Er kann nicht hinaussehen, denn es gibt keine Fenster. Das ist ihm auch lieber &#8211; er stellt sich vor, dass ein Bataillon von Marines l\u00e4ngst von allen Seiten Mini-Nukes auf sie gerichtet hat.<br \/>\n\u201cM\u00f6chtest du jetzt aussteigen?\u201d erkundigt sich der kleine B\u00e4r. \u201cIch fliege n\u00e4mlich gleich ab.\u201d<br \/>\nBevor Kulle antworten kann, sp\u00fcrt er die Flugbewegung. Er r\u00fcttelt an den W\u00e4nden, denn er kann keine T\u00fcren finden. Er kann sich nur im Zeitlupentempo bewegen. Seine Anstrengungen sind vergeblich.<br \/>\nEs gelingt ihm zu fragen: \u201cWarum fliegst du ab?\u201d<br \/>\n\u201cDas liegt doch auf der Hand! Die dominierende Spezies auf diesem winzigen Planeten ist in Fraktionen zerfallen, die gro\u00dfe Anstrengungen darein setzen, die jeweils anderen zu vernichten. Damit sind sie besch\u00e4ftigt und merken nicht, dass sie zahlreiche andere Arten bereits ausgerottet haben und ihre eigene Lebensgrundlage zu zerst\u00f6ren drohen. Anstatt ihre Lebensbedingungen und ihre eigene Rolle angemessen zu analysieren, halten sie sich f\u00fcr die \u201cKrone der Sch\u00f6pfung\u201d und glauben folgerichtig an ein h\u00f6heres Wesen, nein, falsch, an verschiedene h\u00f6here Wesen, denn auch in Bezug auf diese absurde Idee k\u00f6nnen sie sich nicht einigen. Wie konnten wir nur hoffen, dass es sich bei diesen Wesen um Intelligente handelt! Willst du nun aussteigen oder nicht?\u201d<br \/>\nKulle z\u00f6gert.<br \/>\n\u201cNa dann tsch\u00fcss!\u201d sagt der kleine B\u00e4r.<br \/>\nKulle wird hinauskatapultiert und landet unsanft auf der Erde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulle tr\u00e4umt. Die Materie taumelt durch den Weltenraum. Ein Raumschiff taumelt durch den Weltenraum. Es fliegt zur Erde. Kulle ist in dem Raumschiff. Er hat keine Ahnung, wie er dahin gekommen ist oder was er dort soll. Er wandert herum, sieht unbekannte Apparaturen, versteht nichts. 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