{"id":448,"date":"2006-01-13T19:20:40","date_gmt":"2006-01-13T17:20:40","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=448"},"modified":"2017-03-13T19:47:34","modified_gmt":"2017-03-13T17:47:34","slug":"alles-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2006\/01\/alles-theater\/","title":{"rendered":"Alles Theater"},"content":{"rendered":"<p>Es kommt niemals vor, dass es B\u00e4ren langweilig wird &#8211; zu viel ist zu tun, zu viel gibt es zu lernen. Aber es kann durchaus sein, dass den B\u00e4ren die Menschenwelt, die sie umgibt, als so merkw\u00fcrdig erscheint, dass sie ihr nicht mehr mit den Mitteln der wissenschaftlichen Analyse, sondern nur noch mit Satire begegnen zu k\u00f6nnen glauben. Dann fangen sie an, Theater zu spielen. Besonders engagiert bei solchen Aktivit\u00e4ten sind Athabasca, B\u00e4rdel, Kulle, Ramses und Tumu.<br \/>\nAnfang Juli war es wieder einmal so weit. Es war Zeit f\u00fcr ein Sommertheater, befand die F\u00fcnferbande, spielten die Menschen ihnen doch die wichtigsten Rollen vor &#8211; sie brauchten sie nur zu imitieren. Kulle, belesen wie immer, wusste, dass es daf\u00fcr den Begriff der Realsatire gab, aber selbst er konnte den Ursprung dieses Begriffs nicht benennen. Klar war nur, dass die ernst gemeinte Realit\u00e4t so satirisch geworden war, dass sie kaum \u00fcbertrieben zu werden brauchte, um ihre Schw\u00e4chen darzustellen.<br \/>\nNat\u00fcrlich w\u00fcrden sie die dehl\u00e4ndische Politik aufs Korn nehmen, da gab es gar keine Frage. Zu diskutieren war nur, welche Rollen unabdingbar waren und wer welche Rolle \u00fcbernehmen sollte.<br \/>\n\u201cAlso\u201c, sagte B\u00e4rdel und kraulte sich am Kopf, \u201cich finde, ich sollte den M\u00fcntefering geben. Ich bin doch auch sonst immer so integrativ und vertrauensw\u00fcrdig&#8230;\u201c Er grinste unschuldig.<br \/>\n\u201cGute Idee!\u201c lobte Tumu. \u201cAber dass du mir jetzt blo\u00df nicht anf\u00e4ngst, Zigarillos zu rauchen! Ich w\u00e4re \u00fcbrigens gerne die Merkel!\u201c<br \/>\n\u201cEinspruch!\u201c sagte B\u00e4rdel energisch. \u201cDazu bist du nicht gemein genug!\u201c<br \/>\n\u201cEinspruch gegen den Einspruch!\u201c widersetzte sich Tumu. \u201cDie ist zwar gemein, aber die tut nett. Und genau das werde ich prima hinkriegen, denke ich &#8211; nett, wie ich bin.\u201c<br \/>\nB\u00e4rdel gab sich geschlagen.<br \/>\n\u201cUnd wer bin ich?\u201c beschwerte sich Athabasca. \u201cIch bin doch auch nett, oder?\u201c fragte sie mit kokettem Augenaufschlag.<br \/>\n\u201cDu bist mehr als nett, aber wirklich nette Rollen gibt es in diesem Spielchen nicht. Was h\u00e4ltst du von der Roth? Die kann genauso gut mit den Wimpern klimpern wie du!\u201c schlug Kulle vor.<br \/>\n\u201cDu wagst es, deren Basedow-Augen mit mir zu vergleichen? Aber &#8211; das ist nicht das eigentlich Schlimme. Die Frau hat doch nichts zu sagen!\u201c<br \/>\n\u201cIch kann dir nur zustimmen. Das Problem ist aber, dass keine der wesentlichen Protagonistinnen in unserem Spiel etwas Wichtiges zu sagen hat &#8211; du wirst dich damit abfinden m\u00fcssen!\u201c<br \/>\nAthabasca f\u00fcgte sich schmollend.<br \/>\n\u201cBekomme ich dann wenigstens meine Traumrolle?\u201c erkundigte sich Ramses bescheiden.<br \/>\n\u201cUnd die w\u00e4re?\u201c wollten alle wissen.<br \/>\n\u201cNa, Fischer nat\u00fcrlich! Haupts\u00e4chlich bin ich gr\u00fcn, wie man sieht, aber mein gelber Bauch gibt mir auch einen Touch von Giudo, von Realo, von Markliberalismus, also sogenannter Modernit\u00e4t &#8211; Joschka, wie er leibt und lebt!\u201c<br \/>\nNiemand widersprach, nur Kulle fragte, obwohl die Frage wegen der vorangegangenen Rollenverteilung deutlich rhetorische Z\u00fcge hatte: \u201cUnd was bleibt mir?\u201c<br \/>\n\u201cDu wirst deine rote Fahne f\u00fcr eine Weile wegstellen m\u00fcssen\u201c, schmunzelte B\u00e4rdel. \u201cDie bleibt die Heldenrolle &#8211; der Schr\u00f6der.\u201c<br \/>\nKulle war geschmeichelt &#8211; er war und blieb eben eitel.<br \/>\n\u201cWollen wir das St\u00fcck proben?\u201c fragte er.<br \/>\n\u201cIch denke, das ist \u00fcberfl\u00fcssig. Wir alle wissen doch, was wir zu sagen haben. Anstatt \u00fcberfl\u00fcssige Zeit f\u00fcr Proben zu verschwenden, w\u00fcrde ich gerne noch ein wenig Kant lesen, und ihr wisst bestimmt auch Besseres zu tun. Ich denke, wir k\u00f6nnen die B\u00e4renversammlung heute Abend mit unserem kleinen Kabinettst\u00fcckchen \u00fcberraschen!\u201c schlug B\u00e4rdel vor.<br \/>\nNiemand widersprach.<br \/>\nAm Abend k\u00fcndigte Manfred zu Beginn der Vollversammlung einen kleinen Sketch an, ohne n\u00e4here Erl\u00e4uterungen hinzuzuf\u00fcgen, und schon ging es los.<\/p>\n<hr \/>\n<p><i>Zimmer des SPD-Fraktionsvorsitzenden. \u00dcbliche M\u00f6blierung. An der Wand Portraits von Kurt Schumacher und Willi Brandt.<\/i><\/p>\n<hr \/>\n<table cellspacing=\"5\" cellpadding=\"5\">\n<tbody>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>Franz, ich trete zur\u00fcck!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td><i>(raucht)<\/i> Gerd, das kannst du nicht tun. Die Genossinnen und Genossen&#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>&#8230; sind mir schei\u00dfegal. Waren mir immer schei\u00dfegal. Einzig wichtig war nur Acker und ist Viktoria. Ich kann es nun nicht mehr.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Ich h\u00e4tte gar nicht gedacht, dass einer mit deinem sozialen Hintergrund die Buddenbrooks gelesen hat. Christian Buddenbrook, der Versager der Familie, sagt st\u00e4ndig: Ich kann es nun nicht mehr.&#8216; Aber davon ab &#8211; du musst weitermachen!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>Und warum?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Weil du es versprochen hast. Mit Amtseid. Du bist n\u00e4mlich gew\u00e4hlt. Das Wohl des deutschen Volkes mehren und so weiter. Und eine gute Politik machst du auch!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>Ach ja? Das sagst ausgerechnet du? Du bist mir doch in den R\u00fccken meiner Agenda 2010 gefallen mit deinen Heuschrecken!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Das sind nicht meine Heuschrecken, sondern internationale. Au\u00dferdem wollte ich mit den Heuschrecken unsere katastrophalen Wahlergebnisse korrigieren, die du verschuldet hast!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td><i>(kreischt)<\/i> Ach ja? Eben hast du noch behauptet, ich mache gute Politik!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td><i>(bleibt ruhig, z\u00fcndet sich den n\u00e4chsten Zigarillo an)<\/i> Machst du auch, denn wir leben in Zeiten der Globalisierung. Da braucht man eine Art von Reformen, zu denen wir Sozialdemokraten fr\u00fcher Restauration gesagt h\u00e4tten. Leider aber ist das vielen Genossinnen und Genossen nicht bewusst. Und deshalb brauchte ich ein paar Heuschrecken &#8211; so einfach ist das.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td><i>(schreit)<\/i> Du konterkarierst mich! Du hast mich l\u00e4cherlich gemacht! Was soll ich jetzt tun?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td><i>(zieht ruhig an seinem Zigarillo)<\/i> Am besten zur\u00fccktreten.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>(<i>kreischt<\/i>) Eben hast du noch gesagt, das geht nicht!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>(<i>ruhig<\/i>) Der Mensch verwickelt sich eben immer in Widerspr\u00fcche.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td><b>Auftritt Claudia Roth und Joseph Fischer<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Athabasca-Claudia:<\/td>\n<td>Guten Abend.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td>Guten Abend.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>Was wollt ihr denn hier?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Athabasca-Claudia und Ramses-Joschka:<\/td>\n<td><i>(im Chor)<\/i> Wir sind zum Essen eingeladen. Von dir!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Nicht mehr.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Athabasca-Claudia und Ramses-Joschka:<\/td>\n<td>(<i>im Chor<\/i>) Wieso nicht?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Darum nicht. Wir sind euch keine Rechenschaft schuldig, schlie\u00dflich sind wir der gr\u00f6\u00dfere Koalitionspartner. <i>(Pause)<\/i> Vertraut ihr dem Gerd?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Athabasca-Claudia:<\/td>\n<td>Also, ich finde es aufrichtig und ehrlich, und es ist auch eine Notwendigkeit, und ich habe schon immer, weil es auch nicht anders geht, darauf vertraut, dass Menschen vertrauensvoll miteinander umgehen. Deshalb macht es mich zutiefst betroffen, wenn&#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td><i>(unterbricht)<\/i> Kannst du in deinem Leben einmal einen Satz zu Ende bringen? Einen vern\u00fcnftigen Satz? (Pause) Nein, ich habe ihm nie vertraut, dem Gerd. Ich vertraue noch nicht einmal meinen wechselnden Frauen. In der Liebe sollte man vielleicht vertrauen, in der Politik niemals. Dem Gerd schon gar nicht. Der ist ein Machtmensch &#8211; und ich wei\u00df, wie so einer denkt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Ihr seid beide wegen mangelnden Vertrauens ausgeladen. \u00dcbrigens vertrauen wir in der Espehde einander auch nicht mehr. Es ist Zeit f\u00fcr eine Trennung von Tisch und Bett. Wir sollten einander das Misstrauen aussprechen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td><i>(steht erregt auf)<\/i> He, Mann, was soll das, das war mein Part!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Gerd, setz sich! Du solltest nach au\u00dfen hin immerhin noch so viel Anstand haben, mit dem Vorsitzenden der Espehde zusammen aufzutreten! Also &#8211; der Kanzler fordert euch zur Vertrauensfrage auf, nach Artikel 68 Grundgesetz!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Athabasca-Claudia:<\/td>\n<td>Sch\u00f6n! Wir werden ihm mit der notwendigen Kanzlermehrheit das Vertrauen aussprechen, und alles wird gut! Wie ich schon sagte, ich vertraue prinzipiell jedem&#8230;.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td>Dumme Pute, halt endlich mal dein Maul! Seit Jahren kann ich dich schon nicht ertragen! <i>(zu Kulle-Gerhard)<\/i> Du willst die Vertrauensfrage stellen? Im Bundestag? Warum?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>Um zu verlieren! Und um dann die n\u00e4chste Wahl zu gewinnen!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td>Warst du letztens beim Arzt? Hast du dich durchchecken lassen? Ist mental wirklich alles in Ordnung?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>Danke, ja! Was willst du denn? Noch 15 Monate weiterwursteln und zusehen, wie alle unsere Gesetzesvorhaben an der CDU-etc.- Mehrheit im Bundesrat scheitern?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td>Ja, genau das will ich! Weil vielleicht dann auch der bl\u00f6deste Wahlberechtigte merkt, dass nicht unsere Gesetze falsch sind, sondern dass der Bundesrat falsch liegt!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Gerd, da k\u00f6nnte was dran sein.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>(schreit) Und wenn schon! Ich hab die Faxen dicke! Ich hab mich \u00fcbernommen! Ich will nicht mehr! Ich halt das nicht mehr aus! Kapiert das denn keiner!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Athabasca-Claudia:<\/td>\n<td>Aber Gerd, du hast mein vollstes Vertrauen und das der gr\u00fcnen Fraktion!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>Ich will das aber nicht, verdammt noch mal!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Wir sollten hier differenzieren. Am 30. Juni stehen noch einige Entscheidungen an, bei denen der Kanzler euer uneingeschr\u00e4nktes Ja&#8216; f\u00fcr eine eigene Mehrheit ben\u00f6tigt. Da m\u00fcsst ihr ihm zeigen, dass ihr ihm vertraut. Einen Tag sp\u00e4ter allerdings m\u00fcsst ihr zeigen, dass ihr ihm vertraut, indem ihr so abstimmt, dass ihr ihm misstraut. Nach dem leicht abgewandelten Motto von Lenin: Vertrauen ist gut, Misstrauen ist besser&#8216;.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td><b>alle gleichzeitig<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>Der Franz spricht mir aus der Seele.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Athabasca-Claudia:<\/td>\n<td>Ich verstehe \u00fcberhaupt nichts.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td>Der alte Fuchs.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td><b>Langes Schweigen<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td><b>Auftritt Merkel<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td>Guten Abend.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td>(<i>nach sehr langer Pause<\/i>) Guten Abend.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td><b>Pause<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td>Ich komme ungelegen?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Ja, aber in gewisser Weise kommen Sie gelegen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td>K\u00f6nnen Sie das erl\u00e4utern?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Selbstverst\u00e4ndlich. (<i>Pause<\/i>)<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td>(<i>unbehaglich<\/i>) Also?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Nun&#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td><i>(zunehmend unruhig)<\/i> Was?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Es gilt, gewisse Dinge aufzur\u00e4umen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td>Das ist mir klar. Das ist mir schon lange klar. Welche Dinge?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td><i>(explodiert)<\/i> Das bl\u00f6de Weib soll doch nicht so tun, als k\u00f6nnte es die Probleme besser l\u00f6sen als ich. Es versteht sie ja noch nicht einmal. Frauen und Ged\u00f6ns und Politik &#8211; das ich nicht lache! Und \u00fcberhaupt, eine kinderlose Politikerin sollte gar nicht erst versuchen,&#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td>Herr Bundeskanzler, was Kinderlosigkeit angeht, so sollten gerade Sie ganz vorsichtig sein. Im \u00dcbrigen, denke ich, sollten wir sachlich bleiben. Sachlichkeit war schon immer eine St\u00e4rke der CDU. Sachlichkeit und Sachkompetenz. Wo die CDU regiert, da geht es den Menschen besser, wie ich immer sage.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td>Nun ja&#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td><i>(immer noch sehr aufgeregt)<\/i> Sie sagen doch sowieso immer nur das Gleiche!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td><i>(s\u00fcffisant)<\/i> Ws man von Ihnen nicht gerade sagen kann, Herr Bundeskanzler. Wenn mich nicht alles t\u00e4uscht, wandeln Sie Ihre sprichw\u00f6rtliche Forderung\u201c Ich will hier rein!\u201c gerade ab in: \u201cIch will hier raus!\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td><i>(explodiert schon wieder)<\/i> Woher wollen Sie das wissen?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td><i>(ruhig, raucht seinen dritten Zigarillo)<\/i> Man muss kontinuierliche Politik eben den Gegebenheiten anpassen, Frau Merkel, das m\u00fcssen Sie erst noch lernen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td>Falsch, Herr M\u00fcntefering, das habe ich l\u00e4ngst gelernt. Als Physikerin an einem staatstragenden Institut des ehemaligen Unrechtsstaats DDR und jetzige CDU-Vorsitzende Deutschlands halte ich es seit der Wende stets mit dem gro\u00dfen Adenauer: \u201cWas schert mich mein Geschw\u00e4tz von gestern?!\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td><i>(kichert in sich hinein)<\/i> CDU-Vorsitzende Deutschlands, das ist gut!<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Athabasca-Claudia:<\/td>\n<td>Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was das hier alles soll. Ich bin so unheimlich betroffen von &#8230; von &#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td><i>(unterbricht das Gestammel)<\/i> Wir von der CDU\/CSU werden die rot-gr\u00fcne Bundesregierung abl\u00f6sen, und das ist gut so. Dieses Land braucht Politik aus einem Guss. Darum geht es &#8230;\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td>Und &#8211; wie wollen Sie das machen?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td>Wir werden die rot-gr\u00fcne Bundesregierung abl\u00f6sen. Und dann werden wir &#8230; werden wir &#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td><i>(dr\u00fcckt seinen Zigarillo aus)<\/i> Gerd, ich freue mich auf angenehme Oppositionszeiten! Trinken wir ein Glas guten Rotspon?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Kulle-Gerhard:<\/td>\n<td>Ich hasse die Farbe Rot! Au\u00dferdem muss ich nach Hause &#8211; ich habe Viktoria versprochen, mit ihr zu spielen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Athabasca-Chaudia:<\/td>\n<td>Joschka, was sollen wir jetzt blo\u00df tun?<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Ramses-Joschka:<\/td>\n<td>Wir gehen essen. Ich lade dich zum Vegetarier ein &#8211; f\u00fcr den kommenden Wahlkampf muss ich abspecken. Frau Merkel, m\u00f6chten Sie sich vielleicht anschlie\u00dfen? Man kann ja nie wissen&#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>Tumu-Angie:<\/td>\n<td>Vielleicht nach der Wahl, Herr Fischer, vielleicht nach der Wahl. Jetzt habe ich eine Verabredung mit Herrn Westerwelle zu einem Arbeitsessen, \u00fcbrigens in einem Drei-Sterne-Restaurant &#8211; das entspricht im Moment wohl nicht gerade Ihren Bed\u00fcrfnissen. Die B\u00e4nke der Opposition sind hart, und Abgeordnetendi\u00e4ten sind deutlich niedriger als Ministerbez\u00fcge. Guten Abend allerseits. (geht ab)<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td><i>Die Versammlung l\u00f6st sich auf. B\u00e4rdel-M\u00fcnte bleibt allein zur\u00fcck und z\u00fcndet sich den vierten Zigarillo an.<\/i><\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"left\" valign=\"top\">\n<td>B\u00e4rdel-M\u00fcnte:<\/td>\n<td><i>(murmelt) <\/i>Es gibt doch deutsche Heuschrecken&#8230;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kommt niemals vor, dass es B\u00e4ren langweilig wird &#8211; zu viel ist zu tun, zu viel gibt es zu lernen. 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