{"id":391,"date":"1999-11-11T15:37:58","date_gmt":"1999-11-11T13:37:58","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=391"},"modified":"2017-03-11T15:50:24","modified_gmt":"2017-03-11T13:50:24","slug":"kulles-schoepfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/1999\/11\/kulles-schoepfung\/","title":{"rendered":"Kulles Sch\u00f6pfung"},"content":{"rendered":"<style type=\"text\/css\">\n<!-- BODY, P { background-image: url(http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle2b.jpg); background-repeat: no repeat; background-attachment: fixed;} --><br \/><\/style>\n<h2>Kulles \u00dcberlegungen zum menschlichen Selbst- und Weltverst\u00e4ndnis<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 70%;\">Aufgrund meiner zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten verzichte ich darauf, die hier vorliegende als wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichung zu katalogisieren, zumal der Gegenstand kein wissenschaftlicher ist. Es ist mir allerdings, das m\u00f6chte ich vor allem gegen\u00fcber meinen menschlichen Kollegen betonen, ein Vergn\u00fcgen, meine Reflektionen zu ver\u00f6ffentlichen.<\/span><\/p>\n<h3>Die Sch\u00f6pfung<\/h3>\n<p><a title=\"Die Idee von einer Entstehung der Welt ist den meisten Weltsichten eigen, die von einem einmaligen Entstehungsakt ausgehen. Intelligentere Vorstellungen, wie sie dem Buddhismus zugrunde liegen, seien hier ausdr\u00fccklich ausgenommen..\" href=\"#fu\u00dfnote\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Der Anfang von allem war niemals, weil alles immer schon war, oder irgendwann, falls es damals eine Zeit gab und oder oder es jetzt einen Verstand gibt, der diesen Zeitpunkt bestimmen kann, und vielleicht vor der Materie, die es seitdem gibt und vielleicht vorher nicht oder doch. Niemand wei\u00df das <sup><a title=\"Au\u00dfer Tussi nat\u00fcrlich. (Tussi ist die Gottheit des Chefs. Die Sekret\u00e4rin)\" href=\"#fu\u00dfnote\">3<\/a><\/sup> , aber es gibt sie, die Zeit und die Materie, und daraus ward das verg\u00e4ngliche Leben, und alles Sein ist ein Teil von ihr und von ihm, auch der Mensch.<br \/>\nDem Menschen, der seinen Charakter erkannte, weil er mit der unheilvollen und heilsamen Gabe der Denkf\u00e4higkeit ausgestattet war, war es unheimlich ob seiner B\u00f6sartigkeit, und er erfand sich ein moralisches Gesetz, das \u00fcber ihm steht und unerreichbar ist, weil er selbst unf\u00e4hig ist, sich Gesetze zu geben, die er auch einh\u00e4lt. Dieses Gesetz nennt er Gott.<br \/>\nUnd weil er nicht wusste und wei\u00df, woher er kommt und was sein Lebenszweck ist, musste er die Geschichte seines Werdens erfinden. Er hat nicht genug Selbstvertrauen, deshalb schiebt er den Vorgang seinem Gott, seinem Gesetz in die Schuhe.<br \/>\nIn der j\u00fcdisch-christlichen Sch\u00f6pfungsgeschichte zum Beispiel hat der Mensch &#8211; wer sonst? Oder spricht Gott von sich in der 3. Person Singular? &#8211; geschrieben:<br \/>\n<b><i> \u201cAm Anfang schuf Gott Himmel und Erde.\u201c<\/i><\/b><br \/>\nDieser Satz wirft ein schlagschattenklares Bild auf den Menschen, denn da er \u00fcber seine Herkunft keine Auskunft geben kann, erfindet er eine h\u00f6heres Wesen, das f\u00fcr die Sch\u00f6pfung verantwortlich gemacht wird und \u00fcber dessen Herkunft folglich das Gesch\u00f6pf <sup><a title=\"N\u00e4mlich der Mensch\" href=\"#fu\u00dfnote\">4<\/a><\/sup> auch keine Auskunft geben muss. Klug ist er, der dumme Mensch! Die Klugheit beweist sich auch in den beiden ersten angeblichen Sch\u00f6pfungen: Himmel und Erde. So hat der Mensch zwei Fakten benannt, die sein Leben bestimmen: Die Erde, auf der er steht, und den gestirnten Himmel <sup><a title=\"man vergleiche bei Kant, Immanuel\" href=\"#fu\u00dfnote\">5<\/a><\/sup> , der sich \u00fcber ihm w\u00f6lbt.<br \/>\nAber wie geht es weiter? Die n\u00e4chsten Verse lauten:<br \/>\n<b><i>\u201cEs werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.\u201c<\/i><\/b><br \/>\nNun gut, wir nehmen das zur Kenntnis. Am Ende des ersten Sch\u00f6pfungstages haben wir Licht. Es ist ja auch durchaus positiv, wenn der Sch\u00f6pfer, der offenbar auf Augen angewiesen ist, etwas sehen kann. Da die Elektrizit\u00e4t noch unbekannt ist, da der Mensch noch nicht einmal das Feuer entdeckt hat, um es sich nutzbar zu machen, da noch nicht einmal vom Menschen die Rede ist, m\u00fcssen wir annehmen, dass das benannte Licht das Licht der Gestirne ist.<br \/>\nMerkw\u00fcrdig jedoch, dass wir weiter hinten lesen:<br \/>\n<b><i>\u201cUnd Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf Erden. Und es geschah also. Und Gott machte zwei gro\u00dfe Lichter: ein gro\u00dfes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.\u201c<\/i><\/b><br \/>\nAus diesem Zitat lassen sich mehrere Erkenntnisse ziehen.<br \/>\n<i>Erstens<\/i> ist der hier sprechende Gott &#8211; oder der Mensch, der sich stammelnd g\u00f6ttliche Kompetenz anma\u00dft &#8211; ein \u201cMeister\u201c der Redundanz, ja, der direkten Wiederholung. Mehrmals scheiden die Lichter Tag und Nacht und sind gleich dreimal an der \u201cFeste des Himmels\u201c befestigt &#8211; auf welche Weise auch immer.<br \/>\n<i>Zweitens<\/i> steht der Autor dieser Zeilen auf Kriegsfu\u00df mit dem Konjunktiv <sup><a title=\"Vielleicht ist das der \u00dcbersetzung Luthers geschuldet.\" href=\"#fu\u00dfnote\">6<\/a><\/sup> .<br \/>\n<i>Drittens<\/i>, und das ist das eigentlich Gravierende, ist dieser Sch\u00f6pfergott vermutlich ein richtiger Chaot. Merkt er denn nicht, dass er seine Sch\u00f6pfung dupliziert? Hat er vergessen, dass er erst vor drei Tagen sein \u201cFiat lux!\u201c gesprochen hat <sup><a title=\"Um der wissenschaftlichen Korrektheit willen gebe ich zu, dass diese mangelnde Logik schon vielen vor mir aufgefallen ist, darunter auch Menschen; man vergleiche z. B. bei Fjodor M. Dostojewski, Die Br\u00fcder Karamasow.\" href=\"#fu\u00dfnote\">7<\/a> <\/sup>? Da es schon tags\u00fcber hell ist, ist die Sonne ein \u00fcberfl\u00fcssiges Gestirn, und nachts sollte es nach der Planung des ersten Sch\u00f6pfungstages eigentlich dunkel sein.<br \/>\nVielleicht ist der Sch\u00f6pfer aber einfach nur ersch\u00f6pft. Muss er sich doch, nach nur sechst\u00e4giger Arbeit, bereits am siebenten Tage ausruhen. Auch eine andere Textstelle l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass der Sch\u00f6pfer nicht im Vollbesitz seiner physischen Kr\u00e4fte ist:<br \/>\n<b><i>\u201cUnd sie <sup><a title=\"Die beiden inzwischen geschaffenen Menschen\" href=\"#fu\u00dfnote\">8<\/a><\/sup> h\u00f6rten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten ging, da der Tag k\u00fchl geworden war.\u201c<\/i><\/b><br \/>\nSollte ein Sch\u00f6pfer in der Bl\u00fcte seiner Jahre seine Gesch\u00f6pfe nicht auch in der Mittagshitze besuchen k\u00f6nnen, anstatt sich wie ein Rentner in der D\u00e4mmerung im Park zu ergehen, und noch nicht einmal wissen, wo sich die \u201cKrone\u201c der von ihm geschaffenen Welt aufh\u00e4lt, sondern fragen muss, wo der Mensch ist? <sup><a title=\"vgl. 1. Mose 3, 8f. Im \u00dcbrigen ist leider selbstverst\u00e4ndlich, dass der hier dargestellte Gott unter einem Menschen nur den von ihm geschaffenen Mann versteht. Denn er ruft nur nach ihm.\" href=\"#fu\u00dfnote\">9<\/a><\/sup><\/p>\n<h3>Der Mensch<\/h3>\n<p>Der Mensch als Autor einer Sch\u00f6pfungsgeschichte der Erde &#8211; und wir behaupten inzwischen mit hundertprozentiger Sicherheit, nicht nur aus ideologischen Gr\u00fcnden <sup><a title=\"Nicht nur Tussis wegen\" href=\"#fu\u00dfnote\">10<\/a><\/sup> , dass der Mensch Autor des ersten und auch der folgenden B\u00fccher Moses ist, denn ein Sch\u00f6pfergott w\u00fcrde sich nicht als senilen schonungsbed\u00fcrftigen Greis darstellen &#8211; der Mensch als Autor seiner Sch\u00f6pfungsgeschichte stellt sich gewiss in den Mittelpunkt, und zwar als positiven Helden. Wir werden untersuchen, ob das zutrifft. Unser Untersuchungsgegenstand ist zun\u00e4chst der sechste Sch\u00f6pfungstag.<br \/>\n<b><i>\u201cUnd Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen \u00fcber die Fische im Meer und \u00fcber die V\u00f6gel unter dem Himmel und \u00fcber das Vieh und \u00fcber die ganze Erde und \u00fcber alles Gew\u00fcrm, das auf Erden kriecht.<br \/>\nUnd Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.<br \/>\nUnd Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und f\u00fcllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet \u00fcber die Fische im Meer und \u00fcber die V\u00f6gel unter dem Himmel und \u00fcber alles Getier, das auf Erden kriecht.<br \/>\nUnd Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben allerlei Kraut, das sich besamt, auf der ganzen Erde und allerlei fruchtbare B\u00e4ume, die sich besamen, zu eurer Speise,<br \/>\nund allem Getier auf Erden und allen V\u00f6geln unter dem Himmel und allem Gew\u00fcrm, das da lebt auf Erden, dass sie allerlei gr\u00fcnes Kraut essen. Und es geschah also. <sup><a title=\"1. Mose 1, V. 26 - 30; Hervorhebungen bei Luther \" href=\"#fu\u00dfnote\">11<\/a><\/sup>&#8222;<\/i><\/b><br \/>\nWir wollen uns nicht ein zweites Mal \u00fcber Redundanzen, Wiederholungen und grammatische Schw\u00e4chen mokieren, sondern nehmen nur zur Kenntnis, dass sie in diesem Werk der Fiktion unvermeidlich zu sein scheinen. Konzentrieren wir uns auf die Inhalte. Folgendes ist dabei festzustellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Mensch ist als Ebenbild Gottes konstruiert worden, und zwar zweigeschlechtlich; die Erschaffung von Mann und Frau fand, wenn wir den Text beim Wort nehmen, zeitgleich statt. Die Ebenbildhaftigkeit d\u00fcrfte kaum rein \u00e4u\u00dferlich zu verstehen sein, zumal Informationen \u00fcber die Physiognomie des Sch\u00f6pfergottes v\u00f6llig fehlen, vielmehr ist anzunehmen, dass eine Art Seelenverwandtschaft intendiert ist.<\/li>\n<li>Der so beschaffene Mensch wird mit einem doppelten Arbeitsauftrag versehen: Er soll \u00fcber alles tierische Leben auf der Erde herrschen, wobei ein Ziel dieser \u201cHerrschaft\u201c nicht formuliert wird. Um Domestikation zum Zwecke der Nutztierhaltung kann es nicht gehen, sind doch Menschen wie auch alle Tiere Vegetarier, was \u00fcbrigens eine sehr positiv zu bewertende Idee ist. An pflanzlicher Nahrung scheint kein Mangel zu bestehen, Raubtiere, die eventuell den Menschen bedrohen, gibt es nicht. Zweckfreie Herrschaft hat keinen Inhalt, erf\u00fcllt keinen Zweck, das Bed\u00fcrfnis danach dr\u00fcckt aber sehr wohl eine Haltung aus, einen Charakterfehler, und wir m\u00fcssen konstatieren, einen Charakterfehler sowohl dieses hier angeblich sprechenden Gottes als auch des tats\u00e4chlich schreibenden Menschen, n\u00e4mlich schiere Machtgier. Der zweite Teil des Arbeitsauftrages, Bedingung des oben betrachteten, besteht darin, fruchtbar zu sein und sich zu mehren. Letzteres haben, wie Bibel- und Geschichtskenner wissen, nicht nur Adam und Eva, sondern auch die meisten ihrer Nachfahren mit erschreckendem quantitativem Erfolg getan. Allerdings wissen Soziologen und Politologen auch, dass Menschen prim\u00e4r dann unkontrolliert Nachwuchs zeugen, wenn ihre Lebensumst\u00e4nde tierunw\u00fcrdig <sup><a title=\"(Der Chef meint wahrscheinlich menschenunw\u00fcrdig. Die Sekret\u00e4rin)\" href=\"#fu\u00dfnote\">12<\/a><\/sup> sind. Der status quo im beginnenden Jahr 2005 verzeichnet weit \u00fcber sechs Milliarden Menschen &#8211; legt man die biblische Z\u00e4hlung zu Grunde, die die Sch\u00f6pfung zwischen 4000 und 5000 vor der christlichen Zeitrechnung beginnen l\u00e4sst, bedeutet das im Schnitt nur knapp 2,2 Kinder von jeder Frau, davon die H\u00e4lfte T\u00f6chter, die auch das geburtsf\u00e4hige Alter erreichen und ihrerseits ihre Fortpflanzungspflicht tun &#8211; keine sonderlich beachtliche Fertilit\u00e4t, wohl aber eine bedrohliche!<br \/>\nAber diese mathematische Geburtenrate <sup><a title=\"Ich danke Boris f\u00fcr die wissenschaftliche Hilfe.\" href=\"#fu\u00dfnote\">13<\/a><\/sup> setzt wahrhaft paradiesische Zust\u00e4nde voraus, und die sind mitnichten gegeben. Hat der Sch\u00f6pfer doch der Menschenfrau in seinem Zorn geflucht:<br \/>\n<b><i>\u201cdu sollst mit Schmerzen Kinder geb\u00e4ren\u201c <sup><a title=\"3. Mose, V. 16\" href=\"#fu\u00dfnote\">14<\/a><\/sup><\/i><\/b><br \/>\nund dem Menschenmann gedroht:<br \/>\n<b><i>\u201cverflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf n\u00e4hren dein Leben lang.\u201c <sup><a title=\"3. Mose, V. 17\" href=\"#fu\u00dfnote\">15<\/a><\/sup><\/i><\/b><br \/>\nHinter den \u201cSchmerzen\u201c und dem \u201cKummer\u201c verbergen sich in der Menschheitsgeschichte bis zum heutigen Tag Kindersterblichkeit, Hungersn\u00f6te, Epidemien, Genozid und Kriege, h\u00e4ufig miteinander verwoben. Das hat die \u00fcberlebenden Frauen der Menschheit zu einer weit h\u00f6heren, mathematisch kaum messbaren Fertilit\u00e4t gezwungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>So weit, so schlecht. Aber der Ungereimtheiten sind noch nicht genug. Es gibt n\u00e4mlich in unmittelbarer Nachbarschaft, im zweiten Kapitel des ersten Buches Mose, einen zweiten Sch\u00f6pfungsmythos, der nicht das uns sattsam bekannte und letztlich harmlose Kriterium der Redundanz erf\u00fcllt, sondern v\u00f6llig neue Inhalte pr\u00e4sentiert. Dieser Version zufolge hat Gott am siebenten Tage geruht und kommt erst danach auf die Idee, den Menschen zu machen, weil er offenbar gewahr wird, dass es niemanden gibt, der das Land bebauen kann <sup><a title=\"vgl. 1. Mose 2, V. 5\" href=\"#fu\u00dfnote\">16<\/a><\/sup>. Welch auff\u00e4lliges Misstrauen des Sch\u00f6pfers gegen\u00fcber der soeben von ihm kreierten Pflanzenwelt! Jeder Wald \u00fcberall auf der Welt spricht diesem Misstrauen Hohn. Wie dem auch sei, Gott geht, \u00fcbrigens hier ohne explizit formuliertes Leitziel, ans Werk:<\/p>\n<p><b><i>&#8222;Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenklo\u00df, und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also war der Mensch eine lebendige Seele.&#8220; <sup><a title=\"1. Mose 2, V. 7\" href=\"#fu\u00dfnote\">17<\/a><\/sup><\/i><\/b><br \/>\nWie erfrischend kommt das daher! Eine lebendige Seele begegnet uns, ein f\u00fchlendes Wesen, vielleicht gar mit einem Gewissen ausgestattet, denken wir, mit einem Gesp\u00fcr f\u00fcr Falsch und Richtig; aber, wie sich weisen wird, weit gefehlt. Was wir gewiss wissen, ist, dass dieses Gesch\u00f6pf einsam ist, eine Partnerin ist ihm nicht beigegeben.<br \/>\nMachen wir das Folgende kurz! Der Sch\u00f6pfergott macht anschie\u00dfend ein Biotop f\u00fcr sein Menschlein, den Garten Eden, und \u201csetzt\u201c <sup><a title=\"1. Mose 2, V. 8\" href=\"#fu\u00dfnote\">18<\/a><\/sup> es hinein. Auch hier geht es nicht ohne Arbeitsauftrag ab:<br \/>\n<b><i>&#8222;Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn baute und bewahrte.&#8220; <sup><a title=\"1. Mose 2, V. 15\" href=\"#fu\u00dfnote\">19<\/a><\/sup><\/i><\/b><br \/>\nRespekt, Respekt! Der Gedanke der nachhaltigen Entwicklung anstelle von Herrschaft und Ausbeutung &#8211; ich muss gestehen, dass der Schriftstellerkollege, der f\u00fcr diesen Gedanken verantwortlich ist, mir durchaus imponiert.<br \/>\nDer \u201clebendigen Seele\u201c, dem Menschlein, wird sogleich ein erster Verhaltenskodex gegeben, auf den wir gleich noch eingehen werden. Wichtig ist: Er wird nur dem noch einsamen Mann mitgeteilt. Erst danach, nachdem der Mensch die Aufgabe erledigt hat, allen Tieren, die ihm anscheinend paarweise vorgef\u00fchrt werden, Namen zu geben, wird festgestellt, dass allein f\u00fcr den Menschen \u201ckeine Gehilfin\u201c <sup><a title=\"1. Mose 2, V. 20\" href=\"#fu\u00dfnote\">20<\/a><\/sup> vorhanden war. Bereits aus dieser Wortwahl wie auch aus dem folgenden Sch\u00f6pfungsakt wird die intendierte inferiore Stellung der Menschenfrau ersichtlich:<br \/>\n<b><i>\u201cDa lie\u00df Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm seiner Rippen eine und schloss die St\u00e4tte zu mit Fleisch.<br \/>\nUnd Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.\u201c<sup><a title=\"1. Mose 2, V. 21\" href=\"#fu\u00dfnote\"> 21<\/a><\/sup><\/i><\/b><br \/>\nDa haben wir also die Frau, nach der ersten Version Ebenbild Gottes und gleichzeitig mit dem Mann geschaffen, nach der zweiten Variante lediglich \u201cGehilfin\u201c, aus dem K\u00f6rper des Mannes erschaffen. Es wird nicht davon gesprochen, dass auch dieses weibliche Wesen eine \u201clebendige Seele\u201c sei. Beiden Frauen ist jedoch eines gemeinsam: Sie wissen nichts von einem g\u00f6ttlichen Verbot &#8211; nur der Mann hat dieses vernommen. Es lautet:<br \/>\n<b><i>\u201cUnd Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei B\u00e4umen im Garten;<br \/>\naber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und B\u00f6sen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben.&#8220; <sup><a title=\"1. Mose 2, V. 16f\" href=\"#fu\u00dfnote\">22<\/a><\/sup><\/i><\/b><br \/>\nSchau, schau! Das \u201cEbenbild Gottes\u201c soll \u00fcber keine moralischen Kriterien verf\u00fcgen! Es wird gar mit dem Tode bedroht, wenn es sich diese erwirbt. Welches egoistische Interesse hat der Sch\u00f6pfer an diesem Verbot? Die Bibel gibt auf diese Frage keine Antwort, der geneigte Leser denke sich sein Teil.<br \/>\nDie Frau, das Weib, die \u201cM\u00e4nnin\u201c <sup><a title=\"1. Mose 2, V. 23\" href=\"#fu\u00dfnote\">23<\/a><\/sup> erf\u00e4hrt jedoch auf nicht bekannte Weise von dem Verbot, wenn auch nur rudiment\u00e4r, denn sie sagt zur Schlange:<br \/>\n<b><i> \u201cWir essen von den Fr\u00fcchten der B\u00e4ume im Garten;<br \/>\naber von den Fr\u00fcchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, r\u00fchret&#8217;s auch nicht an, dass ihr nicht sterbet.\u201c <sup><a title=\"1. Mose 3, V. 2f\" href=\"#fu\u00dfnote\">24<\/a><\/sup><\/i><\/b><br \/>\nInteressant, dass der \u201cinferioren\u201c Frau das Verbot ohne kausale Begr\u00fcndung mitgeteilt worden ist. Interessant auch, dass auf einmal eine \u201cSchlange\u201c auftaucht. Sie wird beschrieben als \u201clistiger denn alle Tiere auf dem Felde\u201c <sup><a title=\"1. Mose 3, V. 1\" href=\"#fu\u00dfnote\">25<\/a><\/sup>. Wozu brauchen die Tiere des Sch\u00f6pfungsberichtes List? Wozu braucht eines gar besonders viel? Wie oben bereits erl\u00e4utert, herrscht Vegetarismus. List ben\u00f6tigen Tiere zum T\u00e4uschen und in Sicherheit wiegen, zum \u00dcberw\u00e4ltigen ihrer Beute. Pflanzen allerdings pflegen nicht wegzulaufen, wenn sie gefressen werden sollen. Hat der Sch\u00f6pfergott die notwendigen intellektuellen Kapazit\u00e4ten seiner Gesch\u00f6pfe nicht hinreichend reflektiert? Hat er Tiere mit F\u00e4higkeiten ausgestattet, die sie zu ihrem Leben gar nicht ben\u00f6tigen, und das Leittier, den Menschen, mit M\u00f6glichkeiten, die er als Sch\u00f6pfer nicht realisiert sehen m\u00f6chte &#8211; wie anders ist das Verbot zu erkl\u00e4ren?<br \/>\nWie dem auch sei, mit der Schlange ist das in der Welt, was Theologen \u201cdas B\u00f6se\u201c zu nennen pflegen. Aber das \u201cB\u00f6se\u201c obsiegt zu Recht &#8211; die Menschenfrau kennt keine Begr\u00fcndung f\u00fcr das g\u00f6ttliche Verbot, die Schlange bietet ihr aber einen sehr plausiblen Grund daf\u00fcr, es zu brechen:<br \/>\n<b><i>\u201cIhr werdet mitnichten des Todes sterben;<br \/>\nsondern Gott wei\u00df, dass, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und b\u00f6se ist.\u201c <sup><a title=\"Mose 3, V. 4f\" href=\"#fu\u00dfnote\">26<\/a><\/sup><\/i><\/b><br \/>\nO g\u00f6ttliches Weib! Was dem Mann Grund war, das Verbot zu akzeptieren, ist der Frau Grund, es zu brechen. Sie bekam Lust auf die Fr\u00fcchte des Baumes, \u201cweil er klug machte\u201c <sup><a title=\"Mose 3, V. 6\" href=\"#fu\u00dfnote\">27<\/a><\/sup>.<br \/>\nDie Antwort der Bibel auf diesen \u201cS\u00fcndenfall\u201c ist erschreckend peinlich. Angeblich entdeckten Mann und Frau nach dem Verkosten der Erkenntnisfrucht ihre Nacktheit und begannen, sich zu sch\u00e4men und ihre Bl\u00f6\u00dfe mit Feigenbl\u00e4ttern zu bedecken. Welch intellektuelles Armutszeugnis, welch literarisches Feigenblatt!<br \/>\nErkl\u00e4ren l\u00e4sst sich dies nur durch den krampfhaften Versuch der Autoren der B\u00fccher Mose, ihren Gott, der doch im Zentrum des Geschehens stehen soll, positiv darzustellen. Das gelingt nur in Grenzen. Nach unbefriedigender Kl\u00e4rung der \u201cSchuldfrage\u201c st\u00f6\u00dft Gott eine Philippika von Verw\u00fcnschungen und Drohungen aus, die auf seinen Charakter und sein Selbstbewusstsein ein nicht gerade gutes Licht werfen. Bevor die beiden \u201cS\u00fcnder\u201c aus dem \u201cGarten Eden\u201c geworfen werden, gibt es immerhin eine g\u00f6ttliche Geste guten Willens &#8211; offenbar ist dem Sch\u00f6pfer an der Weiterexistenz seiner Kreaturen, die nun unter widrigen Umst\u00e4nden leben m\u00fcssen, gelegen:<br \/>\n<b><i>\u201cUnd Gott der Herr machte Adam und seinem Weibe R\u00f6cke von Fellen und kleidete sie.\u201c <sup><a title=\"Mose 3, V. 21\" href=\"#fu\u00dfnote\">28<\/a><\/sup> <\/i><\/b><br \/>\nWahrlich nett, wenn man bedenkt, dass \u201cGott der Herr\u201c zuvor der Frau Schmerzen, sexuelles Verlangen und Unterordnung unter den Mann, dem Mann schwere k\u00f6rperliche Arbeit, Mangel und Tod \u201cversprochen\u201c hat. Der Eindruck, dass dieser Gott erratisch handelt und nicht wei\u00df, was er tut, verdichtet sich immer mehr. Allerdings erh\u00e4rtet sich auch, dass dieser Gott Gesch\u00f6pfe braucht, weil er sich sonst seiner selbst nicht vergewissern kann.<br \/>\nKommen wir zum Schluss. Dieser eifers\u00fcchtige Gott, der seine Kreatur untersch\u00e4tzt hat, kennt zumindest am Anfang der menschlichen Existenz noch Mittel und Wege, einen knappen Vorsprung zu behalten:<br \/>\n<b><i>\u201cUnd Gott der Herr sprach: Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und wei\u00df, was gut und b\u00f6se ist. Nun aber, dass er nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!<br \/>\nDa wies ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden&#8230;&#8220; <sup><a title=\"1. Mose 3, V. 22f\" href=\"#fu\u00dfnote\">29<\/a><\/sup><\/i><\/b><br \/>\nWir stellen fest, dass es dem Menschen, dem Verfasser oder den Verfassern der ersten Kapitel des Alten Testaments, nicht nur nicht gelingt, seinen Gott positiv darzustellen, sondern auch sich selbst nicht. Vielleicht ist letzteres Absicht: Nur wer fehlerhaft ist, braucht einen Gott, der strafen kann. Aber immerhin &#8211; der Mensch beh\u00e4lt sich einen Joker vor &#8211; die g\u00f6ttlich formulierte M\u00f6glichkeit des ewigen Lebens. <sup><a title=\"Tussi bewahre uns davor!\" href=\"#fu\u00dfnote\">30<\/a><\/sup><br \/>\nWie dem auch sei mit der Sch\u00f6pfung: Wir <sup><a title=\"Auch wir Tiere. Wahrscheinlich verdanken wir das der Schlange, die uns mit der Erbs\u00fcnde begl\u00fcckt hat.. Das ist zwar weder logisch noch biologisch logisch, aber es passt hervorragend zum oben untersuchten Konstrukt.\" href=\"#fu\u00dfnote\">31<\/a><\/sup> sind alle drau\u00dfen aus dem Paradies. Sch\u00f6n ist es hier nicht. Aber war es das im \u201cGarten Eden\u201c, sch\u00f6n, widerspruchsfrei, logisch, berechenbar? F\u00fcr Menschenfrauen und Schlangen jedenfalls nicht. Vielleicht f\u00fcr Menschenm\u00e4nner. Die benehmen sich, was Logik und Rationalit\u00e4t angeht, auch hier drau\u00dfen bis zum heutigen Tag wie Gott der Herr bei der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p><b>Schlu\u00dfwort:<\/b> Ich danke &#8211; wie immer &#8211; meiner Sekret\u00e4rin!<\/p>\n<hr \/>\n<p><a name=\"fu\u00dfnote\"><\/a><\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><b>Fu\u00dfnoten:<\/b> Wenn Sie den Cursor f\u00fcr einen kleinen Moment \u00fcber der Fu\u00dfnote stehen lassen, erscheint der Text in einem Extra-Fenster. <a href=\"#top\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/arrow_ball_up.gif\" alt=\"Zur\u00fcck!\" width=\"31\" height=\"15\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulles \u00dcberlegungen zum menschlichen Selbst- und Weltverst\u00e4ndnis Aufgrund meiner zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten verzichte ich darauf, die hier vorliegende als wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichung zu katalogisieren, zumal der Gegenstand kein wissenschaftlicher ist. Es ist mir allerdings, das m\u00f6chte ich vor allem gegen\u00fcber meinen menschlichen Kollegen betonen, ein Vergn\u00fcgen, meine Reflektionen zu ver\u00f6ffentlichen. Die Sch\u00f6pfung 2 Der Anfang von&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/1999\/11\/kulles-schoepfung\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Kulles Sch\u00f6pfung<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[9,16,8],"tags":[],"class_list":["post-391","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulle3-2","category-philosophisches","category-kulle3","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=391"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/391\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":397,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/391\/revisions\/397"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}