{"id":377,"date":"1999-08-24T15:11:13","date_gmt":"1999-08-24T13:11:13","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=377"},"modified":"2017-03-11T15:17:22","modified_gmt":"2017-03-11T13:17:22","slug":"der-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/1999\/08\/der-mensch\/","title":{"rendered":"Der Mensch"},"content":{"rendered":"<h1>Der Mensch<\/h1>\n<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle2.jpg\" alt=\"PD Kulle\" width=\"663\" height=\"556\" \/><\/div>\n<h2>von P. D. Kulle<\/h2>\n<ol>\n<li type=\"1\">Ann\u00e4herung an den Gegenstand\n<ol>\n<li type=\"a\">Das Tier<\/li>\n<li type=\"a\">Der Raub<\/li>\n<li type=\"a\">Das Raubtier<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li type=\"1\">Der Mensch\n<ol>\n<li type=\"a\">Die allgemeine biologische Natur des Menschen<\/li>\n<li type=\"a\">Der Raubtiercharakter des Menschen<\/li>\n<li type=\"a\">Die Bewusstheit des Menschen<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li type=\"1\">Conclusio<\/li>\n<li type=\"1\">Das \u00dcbliche<\/li>\n<\/ol>\n<h3>1. Ann\u00e4herung an den Gegenstand<\/h3>\n<p>Wir gehen von der Hypothese aus, dass es sich beim Menschen um ein Tier handelt, obwohl dieser Tatbestand h\u00e4ufig von Angeh\u00f6rigen dieser Spezies geleugnet wird. Wir werden sehen.<\/p>\n<h4>1a. \u00a0Das Tier<\/h4>\n<p>Tiere sind Lebewesen, die sich heterotroph ern\u00e4hren, also Konsumenten sind. Sie ben\u00f6tigen pflanzliche oder tierische Nahrung oder eine Mischung aus beidem. Die meisten Tiere sind frei beweglich, alle sind mit Sinnesorganen und einem Nervensystem ausgestattet. Grundmodul von Tieren ist die Zelle mit einer sehr d\u00fcnnen Zellmembran. Tiere haben eine recht kompakte Form mit reich gegliederten inneren Hohlr\u00e4umen, in denen der Stoffaustausch mit der Umgebung \u00fcberwiegend stattfindet. Wegen des niedrigen Zelldrucks bilden Tiere St\u00fctzorgane in Form von Au\u00dfen-, Innen- oder Hydroskeletten aus. Es gibt viele Arten, und die Anpassungsf\u00e4higkeit von Tieren ist hoch; so wurde auch die Besiedelung extremer Lebensr\u00e4ume m\u00f6glich. Dazu tr\u00e4gt auch die zum Teil hoch entwickelte Brutpflege bei. \u2013 Nach sehr grober Sch\u00e4tzung sind 500 Millionen Arten von Tieren bisher ausgestorben.<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote1\">1<\/a><\/sup><\/span> Der von den Menschen erfundene wissenschaftliche Name f\u00fcr die Tierkunde lautet \u201eZoologie\u201c und ist aus dem Griechischen abgeleitet.<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote2\">2<\/a><\/sup><\/span> Die ebenfalls von den Menschen praktizierte Tier- oder Veterin\u00e4rmedizin hat ihre Urspr\u00fcnge im Altertum; entsprechende Papyri aus \u00c4gypten sind \u00fcberliefert. Diese auf die Heilung von Krankheiten gerichtete Wissenschaft konzentriert ihre Kr\u00e4fte \u00fcberwiegend auf Haus-, Nutz-, Versuchs-, Laboratoriums- und Zootiere; in freier Wildbahn lebende Tiere werden von ihr kaum beachtet.<\/p>\n<h4>1b. \u00a0Der Raub<\/h4>\n<p>Raub ist definiert als ein Diebstahl, bei dem die Wegnahme unter Androhung von Gewalt gegen eine Person oder unter Drohung mit einer gegenw\u00e4rtigen Gefahr f\u00fcr Leib oder Leben erfolgt.<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote3\">3<\/a><\/sup><\/span> Raub wird \u2013 unter Menschen \u2013 mit Freiheitsstrafe oder mit K\u00f6rperstrafen bis hin zur Verst\u00fcmmelung bestraft.<\/p>\n<h4>1c. Das Raubtier<\/h4>\n<p>Logisch geschlussfolgert, m\u00fcsste ein Raubtier ein heterotrophes Lebewesen sein, das anderen heterotrophen oder autotrophen Lebewesen gewaltsam unter Drohungen etwas wegnimmt und daf\u00fcr bestraft wird. Weit gefehlt! Raubtiere (Karnivoren) sind \u2013 S\u00e4ugetiere! So definieren jedenfalls die Menschen diesen Begriff. Sie z\u00e4hlen etwa 250 Arten solcher Tiere, die tag- oder nachtaktiv sein k\u00f6nnen und in allen Lebensr\u00e4umen vorkommen. Gemeinsam ist den Raubtieren ein Gebiss mit stark entwickelten Eckz\u00e4hnen und meist scharfen Rei\u00dfz\u00e4hnen, das bei den meisten dem T\u00f6ten und Aufrei\u00dfen gr\u00f6\u00dferer S\u00e4ugetiere dient. Allerdings gibt es auch Allesfresser, wie z. B. Braunb\u00e4ren und Grizzlies<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote4\">4<\/a><\/sup><\/span>, \u00fcberwiegende oder fakultative Aasfresser (beispielsweise Schakale und Hy\u00e4nen) und Pflanzenfresser wie den Bambusb\u00e4ren. Es sei die Bemerkung erlaubt, dass uns diese Klassifizierung als nicht \u00fcberzeugend erscheint. Wo bleiben die Krebsszelle, der Alligator, der Hai? Aber sehen wir weiter! Genauere Studien ergeben, dass die menschliche Logik r\u00e4uberisches Verhalten auch jenseits der S\u00e4ugetiere entdeckt hat, wenn deren Protagonisten auch offenbar nicht wert sind, den Namen \u201eTier\u201c zu tragen. So sind Raubameisen bekannt, die Larven und Puppen aus fremden Nestern rauben und die daraus schl\u00fcpfenden Tiere als Sklaven f\u00fcr sich arbeiten lassen.<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote5\">5<\/a><\/sup><\/span> Auch gibt es \u2013 in alphabetischer Reihenfolge \u2013 Raubbeutler, Raubfische, Raubfliegen, Raubm\u00f6wen, Raubspinnen, Raubv\u00f6gel, Raubspinnen, Raubwanzen und den Raubw\u00fcrger, einen Singvogel.<\/p>\n<h3>2. Der Mensch<\/h3>\n<p>Aufgrund der bisherigen Forschungen ist eine genaue Klassifikation des Menschen ein Kinderspiel. Pikant dabei ist, dass alle folgenden Schlussfolgerungen aufgrund menschlicher Aussagen gezogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>2a. Die allgemeine biologische Natur des Menschen<\/h4>\n<p>Zweifellos sind Menschen heterotrophe Lebenwesen, auf die alle weiteren oben genannten Merkmale zutreffen. Ebenso zweifellos ist der Mensch ein S\u00e4ugetier, das lebende Junge zur Welt bringt und eine ausgiebige Brutpflege praktiziert. Selbst Menschen geben hin und wieder ihre Tiernatur zu, wenn auch nur widerwillig.<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote6\">6<\/a><\/sup><\/span> Diejenigen, die das nicht tun, sind entweder dumm, also religi\u00f6s verblendet<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote7\">7<\/a><\/sup><\/span>, oder formal ungebildet.<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote8\">8<\/a><\/sup><\/span> Menschen sind \u00fcberwiegend tagaktiv, k\u00f6nnen aber auch nachtaktiv sein.<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote9\">9<\/a><\/sup><\/span> Das menschliche Gebiss hat sich zwar zur\u00fcckgebildet, weil die Menschen Mechanismen der Nahrungsaufbereitung entwickelt haben, die ein Rei\u00dfen mit den Z\u00e4hnen weitgehend \u00fcberfl\u00fcssig machen. Der Mensch besetzt, aktuell und unter Hinterlassung seiner Artefakte, Lebensr\u00e4ume, die andere (S\u00e4uge-)Tiere aus gutem Grund meiden. Kein Pinguin besa\u00df jemals die Unvernunft<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote10\">10<\/a><\/sup><\/span>, am S\u00fcdpol eine Pinguinfahne zu errichten, und nur der Yeti<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote11\">11<\/a><\/sup><\/span> mag ab und an Spa\u00df daran haben, auf dem Mount Everest in den \u00dcberbleibseln zahlloser Trekking-Mahlzeiten zu st\u00f6bern.<\/p>\n<h4>2b. Der Raubtiercharakter des Menschen<\/h4>\n<p>Der Raubtiercharakter des Menschen kommt in der Gegenwart direkt nur noch bei sogenannten Kriminellen oder in (Hollywood-)Filmen unmittelbar zum Ausdruck. Der \u201eB\u00f6se\u201c wird, sofern man seiner habhaft wird, aus dem gesellschaftlichen Verkehr gezogen; im Film stirbt er entweder eines spektakul\u00e4ren Todes, oder er entkommt, da er als B\u00f6sewicht f\u00fcr eine weitere kassentr\u00e4chtige Filmfolge ben\u00f6tigt wird. Bei J\u00e4gern und Anglern ist das Raubtierverhalten bereits verdeckt, da das Beuteschlagen mittels Maschinen vollzogen wird, die die unmittelbare Beziehung zwischen J\u00e4ger und Opfer verdecken, da der J\u00e4ger nur noch in den seltensten F\u00e4llen selbst das Opfer konsumiert<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote12\">12<\/a><\/sup><\/span> und da der J\u00e4ger erfolgreich Vorw\u00e4nde f\u00fcr sein Handeln konstruiert, indem er die Jagd z. B. als \u201eHege\u201c ausgibt<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote13\">13<\/a><\/sup><\/span>. F\u00fcr den \u201enormalen\u201c Bewohner eines industrialisierten Landes<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote14\">14<\/a><\/sup><\/span> spielt die Jagd keine Rolle mehr. Seine Milch, seine Eier, seinen K\u00e4se kauft er im Supermarkt oder, als bewusster Verbraucher, im Bioladen. Er ist sich der Tatsache nicht bewusst, dass er Raub begeht, Raub an K\u00fchen, H\u00fchnern, Schafen und Ziegen. Wie sollte er auch: Die genannten Tiere sind in seinen Augen keine \u201ePersonen\u201c, denen allein etwas gestohlen werden kann, und in seinem Alltagsleben begreift er sich nicht als Tier.<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote15\">15<\/a><\/sup><\/span> Bei den genannten Beispielen handelt es sich \u201enur\u201c um Raub, bei den folgenden jedoch um Mord: Huhn, Ente, Gans, Kotelett, Rippchen, Bauchfleisch, Nackenbraten, Beinscheibe, Markknochen, Gulasch, Steak \u2013 alles ist Fleisch von Zuchttieren, von Tieren, \u00fcberwiegend unter untierischen Lebensbedingungen zu einem einzigen Zweck am (kurzen) Leben erhalten: um get\u00f6tet zu werden, um Fleisch zu liefern.<span style=\"font-size: xx-small;\"><sup><a href=\"#footnote16\">16<\/a><\/sup><\/span> Um die zarte Seele des Verbrauchers nicht zu bel\u00e4stigen, liegen diese Fleischfabriken aus gutem Grund abseits von Ballungsr\u00e4umen.<\/p>\n<h4>2c. Die Bewusstheit des Menschen<\/h4>\n<p>Der Mensch wei\u00df nichts von sich selbst.<\/p>\n<h3>3. Conclusio<\/h3>\n<p>Q. E. D.<\/p>\n<h4>4. Das \u00dcbliche<\/h4>\n<p>Da diese Arbeit etwas l\u00e4nger geworden ist, danke ich, wie immer, meiner Sekret\u00e4rin, und zum wiederholten Male aufrichtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle7.jpg\" alt=\"Noch ein Kulle!\" width=\"480\" height=\"360\" \/><\/div>\n<hr \/>\n<p><b>Fu\u00dfnoten:<\/b><\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote1\"><\/a>1 <\/sup> Dieser Tatbestand gibt mehr Anlass zur Hoffnung als zur Besorgnis.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote2\"><\/a>2 <\/sup> Man beachte die nahe Verwandtschaft zum Wort \u201eZoo\u201c. F\u00fcr Menschen scheint der Begriff \u201eTier\u201c eng mit \u201eGefangenschaft\u201c und \u201eVoyeurismus\u201c konnotiert zu sein.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote3\"><\/a>3 <\/sup> Nota bene: Dies ist eine menschengemachte Interpretation. Unter \u201ePerson\u201c wird daher immer und ausschlie\u00dflich ein Mensch verstanden. Wir weisen diese unzul\u00e4ssige Einschr\u00e4nkung auf das Sch\u00e4rfste zur\u00fcck!<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote4\"><\/a>4 <\/sup> Der Autor bekennt sich zu dieser Gruppe.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote5\"><\/a>5 <\/sup> M\u00f6glicherweise wurde den Raubameisen die Bezeichnung\u201c Raubtier\u201c verweigert, weil ihre Strategie das Tier Mensch zu stark an eigenes Verhalten erinnert?<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote6\"><\/a>6 <\/sup> So hei\u00dft es in \u201eMeyers Taschenlexikon\u201c: \u201eAus unabweisbaren morphologischen, anatomischen, serologischen, psychologischen, selbst soziologischen Gr\u00fcnden (sic!) muss (sic!) eine Verwandtschaft zwischen Mensch und Menschenaffen vertreten werden.\u201c<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote7\"><\/a>7 <\/sup> Dazu muss ich mich nicht weitergehend \u00e4u\u00dfern. Mein gesch\u00e4tzter Kollege Ludwig Feuerbach hat dazu bereits alles gesagt.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote8\"><\/a>8 <\/sup> Dieser Menschengruppe werfe ich ihre Ignoranz nicht vor, da ihr Status in der Regel das Resultat direkter physischer oder sozialer Gewalt ihrer Artgenossen ist.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote9\"><\/a>9 <\/sup> Unter Zwang arbeiten sie nachts, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, im Schichtdienst; freiwillig gehen sie zur gleichen Tageszeit z. B. in die Disco, damit andere, die dort Schichtdienst leisten, ihren Lebensunterhalt verdienen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote10\"><\/a>10 <\/sup> Menschen w\u00fcrden statt \u201eUnvernunft\u201c \u201eEhrgeiz\u201c sagen.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote11\"><\/a>11 <\/sup> Wissenschaftlich ist sein Vorkommen noch ungesichert.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote12\"><\/a>12 <\/sup> Man betrachte z. B. die Arbeiter auf industriellen Fischfangschiffen.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote13\"><\/a>13 <\/sup> Damit kaschiert er nat\u00fcrlich nur sein \u00f6kologisches fr\u00fcheres Fehlverhalten, als er die nat\u00fcrlichen Feinde z. B. des Rotwildes ausrottete.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote14\"><\/a>14 <\/sup> Die wenigsten menschlichen Bewohner der Welt sind \u201enormale B\u00fcrger eines industrialisierten Landes\u201c, aber alle m\u00f6chten es sein, zumindest dann, wenn sie bereits von der Existenz industrialisierter L\u00e4nder erfahren haben. Sie wissen jedoch nicht, dass die von ihnen angestrebte Lebensweise ein optionales Gut ist \u2013 aber das ist schon wieder Gegenstand einer anderen Untersuchung.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote15\"><\/a>15 <\/sup> Soweit zum \u201eguten\u201c Vegetarier.<\/p>\n<p><sup><a name=\"footnote16\"><\/a>16 <\/sup> Weiterf\u00fchrende Literatur: Jeremy Rifkin, Das Imperium der Rinder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mensch von P. D. Kulle Ann\u00e4herung an den Gegenstand Das Tier Der Raub Das Raubtier Der Mensch Die allgemeine biologische Natur des Menschen Der Raubtiercharakter des Menschen Die Bewusstheit des Menschen Conclusio Das \u00dcbliche 1. 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