{"id":170,"date":"2016-01-08T19:40:06","date_gmt":"2016-01-08T17:40:06","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=170"},"modified":"2017-03-07T17:52:34","modified_gmt":"2017-03-07T15:52:34","slug":"ueber-empathie-und-deren-missbrauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2016\/01\/ueber-empathie-und-deren-missbrauch\/","title":{"rendered":"\u00dcber Empathie und deren Missbrauch"},"content":{"rendered":"<p>\nWas ist Empathie?\n<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle5.jpg\" alt=\"Kulle\" \/><\/p>\n<p>\nDer Duden liefert eine sehr enge Definition: Er bezeichnet Empathie als die &#8222;Bereitschaft und F\u00e4higkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzuf\u00fchlen&#8220;. Demzufolge ist Empathie also eine Empfindung, die nur Menschen anderen Menschen entgegenbringen k\u00f6nnen.\n<\/p>\n<p>\nWikipedia <sup><a href=\"#fussnoten\">1<\/a><\/sup> geht scheinbar weiter:\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Empathie bezeichnet die F\u00e4higkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie geh\u00f6rt auch die Reaktion auf die Gef\u00fchle Anderer wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls. Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung; je offener man f\u00fcr seine eigenen Emotionen ist, desto besser kann man die Gef\u00fchle anderer deuten.&#8220;\n<\/p>\n<p>\nUnd schlie\u00dflich lesen wir bei &#8222;empathie-lernen.de:&#8220;<sup><a href=\"#fussnoten\">2<\/a><\/sup> &#8222;Empathie ist die F\u00e4higkeit, wahrzunehmen, was in einem anderen vorgeht.&#8220;\n<\/p>\n<p>\nWer also ist f\u00e4hig zur Empathie wem gegen\u00fcber?\n<\/p>\n<p>\nDem Duden zufolge ist das der Mensch gegen\u00fcber dem Mitmenschen, bei Wikipedia ist von Personen und Pers\u00f6nlichkeitsmerkmalen die Rede, die Empathie-Seite spricht von &#8222;anderen.&#8220; Gemeint ist, wie auch immer formuliert wird, pr\u00e4zise oder unpr\u00e4zise, der Mensch.\n<\/p>\n<p>\nDieser Logik zufolge kann Tieren keine Empathie entgegengebracht werden, es sei denn, man schreibt ihnen Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale zu, was Homo nur sehr z\u00f6gerlich zu tun bereit ist, sieht er doch dadurch seine behauptete Stellung als Krone der Sch\u00f6pfung gef\u00e4hrdet.<sup><a href=\"#fussnoten\">3<\/a><\/sup>\n<\/p>\n<p>\nDie jahrhunderttausendelange Beziehung zwischen Menschen und Tieren h\u00e4ngt weitgehend von der Zahl der Beine der Tiere ab: Alles, was acht oder sechs Beine hat, mit Ausnahme der Bienen, gilt als l\u00e4stig und ist es oft auch. Fische sind nahrhaft. V\u00f6gel sind n\u00fctzlich, sofern sie domestizierbar sind, Eier legen und zum Verzehr geeignet. Vierbeiner sind willkommen, wenn sie \u00e4hnliche Kriterien erf\u00fcllen: Wenn sie Milch und Fleisch geben und\/oder ihre Kraft als Zug- bzw. Lasttiere genutzt werden kann. Auch das Raubtier Katze und das teildomestizierte Raubtier Wolf als Hund werden haushaltsnah als M\u00e4usef\u00e4nger und W\u00e4chter gehalten. Als Maxime gilt der \u00f6konomische Nutzen; folgerichtig spricht man von Nutzvieh.\n<\/p>\n<p>\nIm Widerspruch zu den eingangs zitierten Definitionen gibt es sehr wohl emotionale, empathische Beziehungen zwischen Mensch und Tier. Seit der private Wohlstand in den  Industrienationen so angewachsen ist, dass der homo oeconomicus sich den Luxus leisten kann, nicht  nur wirtschaftlich zu handeln, gesellte er sich das Haustier bei, das eine deutlich andere Position einnimmt als das Nutzvieh. Das Haustier ist Gesellschafter, nicht eierlegende Wollmilchsau.\n<\/p>\n<p>\nMan sollte annehmen, dass Homo positive Gef\u00fchle gegen\u00fcber nahen Verwandten hegt, dem ist aber keineswegs so. Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang Utans werden in Zoos eingesperrt und dort ausgestellt. Zeugt dergleichen von Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls<sup><a href=\"#fussnoten\">4<\/a><\/sup>?\n<\/p>\n<p>\nAuch gegen\u00fcber genetisch kaum weniger Nahestehenden ist der Mensch gef\u00fchlsresistent. Schweine werden unter tierunw\u00fcrdigen Verh\u00e4ltnissen binnen m\u00f6glichst kurzer Zeit so zu Tode gebracht, dass sie m\u00f6glichst viele, wenn auch nach nichts schmeckende Koteletts unters Schlachtmesser bringen.\n<\/p>\n<p>\nAnders verh\u00e4lt es sich mit den Haustieren. Der Hund hat seine Ketten verloren und ist auf den Scho\u00df geklettert. Die Katze jagt M\u00e4use nur noch zum Entsetzen ihrer Halter, die nicht verstehen, warum &#8222;Sheba&#8220; et alii das Raubgel\u00fcst nicht befriedigen. Das Haustier liebt der Mensch so sehr, dass er nicht davor zur\u00fcckschreckt, es nach seinem Geschmack zu verst\u00fcmmeln.\n<\/p>\n<p>\nDa ist der rassereine Hund, dessen Becken nicht mehr geeignet ist zu geb\u00e4ren, der asthmatisch  ist und dessen Beine ihn nicht mehr tragen, teurer Dauerkunde beim Kleintierarzt und Grund vieler Tr\u00e4nen. Da ist die Katze, die kastriert wird, um nicht ihr, sondern ihrem Besitzer die K\u00e4tzchen im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr zu ersparen.\n<\/p>\n<p>\nIn allerj\u00fcngster Zeit hat der Mensch weitere Lebewesen entdeckt, die seiner Liebe bed\u00fcrfen und ihrer w\u00fcrdig sind, wie er meint.\n<\/p>\n<p>\nDie Polkappen schmelzen, woran Homo nicht ganz unschuldig ist. In der Antarktis sind die Pinguine bedroht, das ist bedauerlich, meint er, aber letztlich trifft es nur V\u00f6gel.\n<\/p>\n<p>\nJedoch: Auch die Arktis schmilzt! Die Eisb\u00e4ren verlieren ihr Habitat! Sie verhungern! Sie ertrinken!\n<\/p>\n<p>\nBilder von abgemagerten Eisb\u00e4ren, die ziellos umherschwimmen, bringen Menschen tats\u00e4chlich zum Weinen, und das ist erstaunlich, denn Eisb\u00e4ren sind die gr\u00f6\u00dften Landraubtiere. Eisb\u00e4ren bedrohen Menschen n\u00f6rdlich des Polarkreises. Eisb\u00e4ren haben oft blutrote Schnauzen, daran erkennt man, was sie gefressen haben. Eisb\u00e4ren fl\u00f6\u00dfen Angst ein. Eisb\u00e4ren jagen Robben, und die haben nach Meinung der meisten Menschen  sehr s\u00fc\u00dfe Babies.\n<\/p>\n<p>\nWas w\u00e4re so schlimm daran, wenn es keine Eisb\u00e4ren mir g\u00e4be? Wer hat den Menschen die merkw\u00fcrdige Liebe zu diesen gef\u00e4hrlichen R\u00e4ubern eingepflanzt?\n<\/p>\n<p>\n Es waren der WWF, Greenpeace und \u00e4hnliche Organisationen, und f\u00fcr sie dient der Eisb\u00e4r dem Fundraising. Wer f\u00fcr den Erhalt der Umwelt k\u00e4mpft, ben\u00f6tigt in der menschlichen Gesellschaft Geld. Es bedarf geschickter Strategien, es dem homo oeconomicus zu entlocken. Er muss sich der Illusion hingeben k\u00f6nnen, einen angemessenen Gegenwert zu erhalten, und sei es ein immaterieller. Sagte man ihm, dass sein Konsumverhalten ma\u00dfgeblich verantwortlich f\u00fcr die Klimaerw\u00e4rmung ist, so w\u00e4re das zwar richtig, h\u00e4tte aber keinerlei positiven Aspekt. Eine Argumentation gegen das gerade erworbene SUV erweckte die Empathie f\u00fcr das SUV in einem bisher nicht bekannten Umfang. Also l\u00e4sst man dem Menschen seine klimasch\u00e4digenden Konsumartikel und verschafft ihm zugleich ein gutes Gewissen, wenn er f\u00fcr bedrohte Teile des \u00d6kosystems Geld zur Verf\u00fcgung stellt &#8211; und Tiere mit dichtem Fell, deren Junge dem Kindchenschema entsprechen, sind als Repr\u00e4sentanten solcher &#8222;bedrohten Teile&#8220; bestens geeignet.\n<\/p>\n<p>\nEmpathie, so lernen wir, bezieht sich auf jeden und jedes, wenn Menschen wollen, dass sie daf\u00fcr Empathie empfinden.<sup><a href=\"#fussnoten\">5<\/a><\/sup>\n<\/p>\n<p>\nDie Vermutung liegt nahe, dass Homo seine Empathie zunehmend anderen Subjekten als Vertretern der eigenen Spezies widmen wird. Die F\u00e4higkeit, sich in andere Wesen hineinzuversetzen, ist verst\u00e4ndlicherweise numerisch begrenzt. Die zunehmende Zahl der Menschen ist daf\u00fcr schlechter, die abnehmende Zahl der Eisb\u00e4ren besser geeignet.\n<\/p>\n<p>\nDezember 2015\n<\/p>\n<\/p>\n<p>\n<a name=\"fussnoten\"><\/a><br \/>\nFu\u00dfnoten: (&#8222;<\" f\u00fchrt zum Text zur\u00fcck)\n\n\n<ol>\n<li> Der Chef hat Wikipedia lange Zeit verabscheut. Die wissenschaftliche Qualit\u00e4t sei niedrig, die Fehlerquote hoch, behauptete er. Das hat sich ge\u00e4ndert. Inzwischen erachtet er Wikimedia als eine wichtige Zugangsm\u00f6glichkeit zu Informationen (auch) f\u00fcr wissenschaftlich nicht gebildete interessierte Personen und spendet regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr deren Erhalt. Die Sekret\u00e4rin<\/li>\n<li> Die Pr\u00e4misse des Site-Namens, es handele sich bei Empathie um eine kognitive F\u00e4higkeit, ist so naiv, dass sie schon wieder am\u00fcsant ist.<\/li>\n<li> Lediglich Primaten und Walen werden inzwischen Zugest\u00e4ndnisse gemacht. <\/li>\n<li> vgl. Wikipedia<\/li>\n<li> Wir erwarten nicht, diese Erkenntnis demn\u00e4chst in einem menschlichen Lexikon zu lesen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>\n Dezember 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist Empathie? Der Duden liefert eine sehr enge Definition: Er bezeichnet Empathie als die &#8222;Bereitschaft und F\u00e4higkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzuf\u00fchlen&#8220;. Demzufolge ist Empathie also eine Empfindung, die nur Menschen anderen Menschen entgegenbringen k\u00f6nnen. 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