{"id":1588,"date":"2023-03-26T16:09:45","date_gmt":"2023-03-26T14:09:45","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=1588"},"modified":"2023-03-26T18:20:10","modified_gmt":"2023-03-26T16:20:10","slug":"wenn-der-mensch-der-wuerde-wuerdig-waere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2023\/03\/wenn-der-mensch-der-wuerde-wuerdig-waere\/","title":{"rendered":"Wenn der Mensch der W\u00fcrde w\u00fcrdig w\u00e4re"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/Kulleneu10-2000x1200.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/Kulleneu10-2000x1200-1024x614.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1045\" srcset=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/Kulleneu10-2000x1200-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/Kulleneu10-2000x1200-300x180.jpg 300w, https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/Kulleneu10-2000x1200-768x461.jpg 768w, https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/Kulleneu10-2000x1200-1200x720.jpg 1200w, https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-content\/uploads\/Kulleneu10-2000x1200.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kulle<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von P. D. Kulle<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Inhalt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"#aktion1\">Was ist der Mensch?<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#aktion2\">Wann beginnt menschliches Leben?<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#aktion3\">Schwangerschaftsabbruch<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#aktion4\">Der Wert des geborenen menschlichen Lebens<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#aktion5\">Stellvertreterkriege<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#aktion6\">Schlussbemerkungen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"aktion1\"><strong>Was ist der Mensch<\/strong>?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mensch ist ein Tier. Er hat lange gebraucht, um die Vorstellung zu entwickeln, dass er auch ein ganz besonderes Tier ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was den Menschen der Steinzeit in S\u00fcdwesteuropa bewegte, l\u00e4sst sich an seiner \u201eH\u00f6hlenmalerei\u201c, die nur partiell aus Malerei, sondern auch oft aus Piktogrammen besteht, wenigstens zum Teil erschlie\u00dfen. Es wimmelt an den W\u00e4nden und Decken der ber\u00fchmten Kavernen in Frankreich und Spanien von Tieren: zum Beispiel Mammuts, Bisons, K\u00fchen und Stieren, Hirschen und immer wieder Pferden. Aber nur eine Darstellung eines Menschen ist in der Grotte von Lascaux im P\u00e9rigord bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An einem ihrer tiefsten Punkte<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-1\">1<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-1\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">Le puits \u2013 die Grube, der Schacht, der Brunnen<\/span> finden sich rechts die Darstellung eines angreifenden, wiewohl bereits verwundeten Bisons. Nach links l\u00e4uft, offenbar in hoher Geschwindigkeit, ein Rhinozeros davon. Beide wilden Tiere sind sehr sorgf\u00e4ltig in mehreren Farben ausgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen ihnen liegt eine menschliche Gestalt auf dem R\u00fccken, erkennbar ein Mann, denn der Penis ist erigiert. Die Figur ist nur als Strichzeichnung ausgef\u00fchrt, der K\u00f6rper ist ein Rechteck, die Beine sind gerade, die Arme lang ausgestreckt, an den H\u00e4nden jeweils vier Finger. Nur vier. Der Kopf, ein Vogelkopf, ist zur Seite gewendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor der anscheinend leblosen Figur steht auf einem Stecken die stilisierte Figur eines Vogels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Szene in ihrer Uneindeutigkeit gibt Kulturanthropologen seit Jahrzehnten Anlass f\u00fcr unterschiedlichste Theorien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Handelt es sich \u00fcberhaupt um eine Szene, oder sind verschiedene Figuren zu unterschiedlichen Zeiten entstanden, stehen in keinem Zusammenhang zueinander?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist die Darstellung des Toten eine Warnung? Die Zeichnungen sind im \u201aBrunnen\u2018 der Grotte angebracht, in dem die CO2-Konzentration Werte von 5 oder 6% erreichen kann. Besagt die Information: Geh besser wieder weg, oder bleib nicht zu lange?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist der Tote Opfer eines Jagdunfalls? Hat er eines der Tiere angegriffen, oder hat er sich in den Tierkampf eingemischt? Aber: Haben Tote eine Erektion?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stellt der Mann sich tot, um einem Angriff des w\u00fctenden Stiers auszuweichen? Stiere greifen nur an, was sich bewegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das alles aber erkl\u00e4rt nicht die Vogelsymbolik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist der Mann ein Schamane in Trance, dessen Geist die Erde verlassen hat? Der mit dem Vogel in den Himmel geflogen ist?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So viele offene Fragen. Eines aber ist sicher: Die Hauptakteure in dieser Darstellung sind Stier und Rhinozeros, sind die sorgf\u00e4ltig dargestellten Tiere auf vier Beinen. Der fl\u00fcchtig skizzierte Zweibeiner ist zwar in den Mittelpunkt ger\u00fcckt, verdient aber keine sorgf\u00e4ltige Ausf\u00fchrung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es vergehen Jahrtausende, bis weitere, eindeutigere Aussagen \u00fcber den Menschen gemacht werden. Dazu bedurfte es der Entwicklung der Schrift. Und auch der Einf\u00fchrung einer imagin\u00e4ren Gr\u00f6\u00dfe: Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Buch Genesis, dem ersten Buch des j\u00fcdischen Tanach, des samaritanischen Pentateuch wie auch des christlichen Alten Testaments, dessen Teile vermutlich zwischen 3000 und 600 v.u.Z. entstanden sind, wird die Menscherschaffung dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott formt den Menschen aus Erde. Das neue Wesen ist also Teil seiner Umwelt. Aber damit der Mensch zum Menschen wird, geschieht noch ein Zweites. Das Gesch\u00f6pf aus Erde wird erst richtig zum Menschen, indem ihm Gott seinen Atem, seinen Geist in die Nase bl\u00e4st (Genesis 2,7). Der Mensch wird beseelt. Gott tritt also in den Menschen \u2013 seine Sch\u00f6pfung \u2013 hinein. In ihm ber\u00fchren sich Himmel und Erde. In dieser Sicht ist der Mensch etwas sehr Besonders, etwas Au\u00dferordentliches.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenden wir uns der griechischen Antike zu. Aristoteles von Stagira<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"2\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-2\">2<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-2\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"2\">384 \u2013 322 v.u.Z.<\/span> kommt ohne Gott aus. Er betrachtet den Menschen unter rein irdischen Aspekten. Ihm zufolge hat der Mensch eine Seele wie jedes Tier. Was ihn von anderen Tieren unterscheidet, ist seine Vernunft. Zudem wird der Mensch definiert als \u201eZoon politikon\u201c<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"3\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-3\">3<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-3\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"3\">Lebewesen in der Gemeinschaft der Polis<\/span>. L\u00f6st man den Begriff aus seiner historischen Gebundenheit, gelangt man zur Definition des Menschen als eines sozialen und politischen Lebewesens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der R\u00f6mer Cicero<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"4\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-4\">4<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-4\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"4\">106 &#8211; 43 v.u.Z.<\/span> betrachtet den Menschen \u00e4hnlich wie Aristoteles: Er sei kein Einzelg\u00e4nger, sondern darauf angelegt, in einem Staat zu leben. Gegen\u00fcber den Tieren hat er eine Vorrangstellung, der er aber nur dann gerecht wird, wenn er sein Leben entsprechend f\u00fchrt: indem er seinen Geist bet\u00e4tigt, anstatt sich niederen Trieben hinzugeben. Besonders die Sprachbegabung unterscheidet den Menschen von den Tieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgehend von der Sprache als dem zentralen Wesenszug des Menschen erblickte Cicero im universal gebildeten \u201evollkommenen Redner\u201c (orator perfectus), der sein Wissen in den Dienst der Gemeinschaft stellt, den idealen Menschen und somit das h\u00f6chste Erziehungsziel<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"5\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-5\">5<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-5\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"5\">Wie sich zeigt, ist Cicero eitel genug, die eigene Rolle als allgemeines menschliches Ideal zu propagieren.<\/span>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziehen wir eine Zwischenbilanz. Bisher sehen wir den Menschen als ein Wesen mit besonderen Merkmalen dargestellt, das aus dem Tierreich herausragt. Daraus werden aber keine besonderen Anspr\u00fcche an die Gesellschaft abgeleitet. Diese Anspr\u00fcche werden erst in der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung im 17. und 18. Jahrhundert formuliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Samuel von Pufendorf<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"6\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-6\">6<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-6\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"6\">1632 &#8211; 1694<\/span> erkl\u00e4rt: Der Mensch sei von h\u00f6chster W\u00fcrde, weil er eine Seele habe, die&nbsp; sich durch Verstand auszeichnet, weil er Urteils- und Entscheidungsf\u00e4higkeit&nbsp; besitze und sich in vielen \u201aK\u00fcnsten\u2018 auskenne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt zun\u00e4chst vertraut, ist aber doch v\u00f6llig neu. Seele, Vernunft und Entscheidungsfreiheit werden erstmals verkn\u00fcpft mit der Idee der Menschenw\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit verbindet Pufendorf die Idee der Menschenw\u00fcrde mit der Idee der Seele, mit der Idee der Vernunft und mit der Idee der (Entscheidungs-)Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immanuel Kant<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"7\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-7\">7<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-7\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"7\">1724 &#8211; 1804<\/span> hat diese Idee der Menschenw\u00fcrde genauer bestimmt. Ihm zufolge ist der Mensch \u201aZweck an sich\u2018 und darf nie nur \u201aMittel zum Zweck\u2018 sein. Das bedeutet, dass jeder Mensch ein Existenzrecht hat, woraus resultiert, dass alle Menschen prinzipiell gleichwertig sind und einander achten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kant geht davon aus, dass der Mensch ein Zweck an sich sei und demnach nicht einem ihm fremden Zweck unterworfen werden darf. Das hei\u00dft: Die Menschenw\u00fcrde wird verletzt, wenn ein Mensch einen anderen blo\u00df als Mittel f\u00fcr seine eigenen Zwecke benutzt \u2013 etwa durch Sklaverei, Unterdr\u00fcckung oder Betrug. Und da jeder Menschen ein Existenzrecht hat, darf kein Mensch get\u00f6tet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Definition ist folgenschwer. Sie evoziert unter anderem die Frage: Wann beginnt menschliches Leben?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"aktion2\"><strong>Wann beginnt menschliches Leben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Abbruch einer Schwangerschaft ist nat\u00fcrlich keine Erfindung der Neuzeit, das zeigen Schriftzeugnisse aus fr\u00fchen Hochkulturen, etwa aus Alt\u00e4gypten.<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"8\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-8\">8<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-8\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"8\">&nbsp;F\u00fcr die folgenden Informationen zum Schwangerschaftsabbruch bedanken wir uns beim Museum f\u00fcr Verh\u00fctung und Schwangerschaftsabbruch, Wien.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der alt\u00e4gyptische Papyrus Ebers, ca. 1600 v.u.Z., beschreibt Mittel dazu: Kr\u00e4utertr\u00e4nke, Scheideneinspritzungen und Vaginalkugeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im antiken Griechenland wurden kinderreiche Familien nicht immer als gesellschafts- und bev\u00f6lkerungspolitisches Ideal betrachtet. Nach Aristoteles\u2019 Ansicht sollte der Staat weder zu gro\u00df noch zu klein sein. Er sah in der fr\u00fchen Abtreibung ein geeignetes Mittel, um eine gleich bleibende Bev\u00f6lkerungszahl zu erhalten. Hippokrates<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"9\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-9\">9<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-9\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"9\">&nbsp;Entgegen einer h\u00e4ufigen Ansicht beinhaltet der Hippokratische Eid keineswegs ein absolutes Abtreibungsverbot. Er lautet: \u201eNie werde ich, auch nicht auf eine Bitte hin, ein t\u00f6dlich wirkendes Gift verabreichen oder auch nur einen Rat dazu erteilen; gleicherweise werde ich niemals einer Frau ein fruchtabtreibendes Z\u00e4pfchen geben.\u201c Neuere Forschungen zeigen, dass hier vom Gebrauch eines spezifischen Wirkstoffes in einer bestimmten Applikationsform abgeraten wird. Es handelt sich um kein generelles Verbot der Verabreichung von Abortiva.<\/span> empfiehlt verschiedene Mittel f\u00fcr einen Schwangerschaftsabbruch. Die griechische Polis sprach dem ungeborenen Kind weder Lebensrechte noch eine Seele zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einstellung der R\u00f6mer \u00e4hnelte der der Griechen: Nachwuchs war erw\u00fcnscht, solange er das Erbe und die Altersvorsorge sicherte.Eine gr\u00f6\u00dfere Kinderanzahl galt hingegen als Existenzgef\u00e4hrdung. Auch in Rom hatte ein F\u00f6tus weder Lebensrecht noch Seele, sondern wurde als Teil des K\u00f6rpers der Mutter angesehen. Die r\u00f6mischen \u00c4rzte verf\u00fcgten bereits \u00fcber ein sehr differenziertes und reichhaltiges Wissen, mit dem sie der gro\u00dfen Nachfrage nach Mitteln und Methoden zur Abtreibung nachkommen konnten. Vermutlich kannte man schon \u00fcber zweihundert Abortiva, von denen ca. 90 Prozent recht wirksam waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Zusammenbruch der r\u00f6mischen Zivilisation \u00fcbernahmen religi\u00f6se Vorstellungen die Deutungshoheit \u00fcber menschliches Leben. Wann beginnt es?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Anfang der menschlichen Reproduktion steht die Befruchtung \u2013 die Verschmelzung von Samen- und Eizelle. Dieser Akt ist nach heutiger Sicht der katholischen Kirche identisch mit der Menschwerdung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings ist die sehr fr\u00fche Datierung menschlichen Lebens im Christentum noch nicht sehr alt.&nbsp; Bis ins 19. Jahrhundert hinein galt die Meinung, dass die Beseelung des Menschen eine Entwicklung darstelle. Mittelalterliche Theologen wie Thomas von Aquin beriefen sich auf Aristoteles, wohl deshalb, weil sie in den heiligen Schriften keine Antworten auf diese Frage fanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Stagirit geht von folgender Annahme&nbsp; aus: Es dauert bei einem m\u00e4nnlichem Embryo 40 Tage und bei einem weiblichen Embryo 80 Tage bis zur Menschwerdung. Denn die ganze Formkraft des neuen Lebewesens besteht allein im m\u00e4nnlichen Samen, w\u00e4hrend die Frau nur das Menstruationsblut als materielle Voraussetzung bietet. Wenn es zur Geburt eines M\u00e4dchens kommt, ist das Ausdruck eines Versagens der Natur, weil der m\u00e4nnliche Same unbedingt ein ihm \u00c4hnliches hervorbringen m\u00f6chte<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"10\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-10\">10<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-10\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"10\">&nbsp;Solche Thesen sind keine gute Voraussetzung f\u00fcr feministische Ansichten! Die Sekret\u00e4rin<\/span>. Aristoteles meint, dieser Prozess ben\u00f6tige 40 Tage beim Mann und 80 Tage bei der Frau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit liegen Aristoteles und die alte christliche Vorstellung nicht weit entfernt von der Datierung des Lebensbeginns im Judentum \u2013 das allerdings keinen Unterschied zwischen m\u00e4nnlichem und weiblichem Embryo macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die islamischen Schriften datieren den Beginn des menschlichen Lebens sehr sp\u00e4t. Nach einer Aussage des Propheten Mohammed dauert die Menschwerdung nach der Befruchtung 120 Tage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"aktion3\"><strong>Schwangerschaftsabbruch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn denn der Mensch eine unverletzliche W\u00fcrde besitzt und wenn er diese Menschenw\u00fcrde bereits im Mutterleib erwirbt, ob direkt nach der Befruchtung, nach 40, 80 oder 120 Tagen, so ergibt sich logisch: Der Embryo darf nicht get\u00f6tet werden. Schwangerschaftsabbruch ist folglich verboten und wird mit Mord gleichgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So sind auch Verbote f\u00fcr Hebammen die Regel:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Hebammen sollen sich bey schwerer Strafe enthalten, abtreibende, oder gef\u00e4hrliche Mittel zu geben, oder einzurathen&#8230; Falls ihnen unschuldiger Weise ein dergleichen Ansinnen er\u00f6fnet w\u00fcrde, haben sie die Personen, &#8230; an die Medicos zu verweisen, welche schon wissen werden, wie in solchem Falle f\u00fcrzugeben sey, wie dann gleichfalls den Apothekern bereits aufgetragen worden, bey empfindlicher Ahndung den Hebammen ohne Vorwissen eines approbierten Medici dergleichen bedenkliche Mittel keineswegs verfertigen, oder reichen zu lassen.\u201c<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"11\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-11\">11<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-11\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"11\">&nbsp;Hofkammer Archiv Wien, Patent 38 vom 2. Januar 1770. Sanit\u00e4t Hauptnormativ vom 3. Januar 1770, Theresianische Gerichtsordnung.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und nat\u00fcrlich auch Strafen f\u00fcr Schwangere:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a7144. Eine Frauenperson, welche absichtlich was immer f\u00fcr eine Handlung unternimmt, wodurch die Abtreibung ihrer Leibesfrucht verursacht, oder ihre Entbindung auf solche Art, da\u00df das Kind tot zur Welt kommt, bewirkt wird, macht sich eines Verbrechens schuldig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a7145. Ist die Abtreibung versucht, aber nicht erfolgt, so soll die Strafe auf Kerker zwischen sechs Monaten und einem Jahre ausgemessen; die zustande gebrachte Abtreibung mit schwerem Kerker zwischen einem und f\u00fcnf Jahren bestraft werden.<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"12\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-12\">12<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-12\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"12\">&nbsp;\u00a7 144 von 1852 bis 1974 in Kraft (mit Ausnahme der NS-\u00c4ra)<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der sogenannten Menschenw\u00fcrde gibt es aber durchaus praktische Gr\u00fcnde, aus denen Vertreter der herrschenden (politischen) Klasse sich gegen Geburtenkontrolle durch Frauen wenden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts der gro\u00dfen Verluste an wertvollstem Menschenmaterial, die der Krieg mit sich bringt, mu\u00df die Heeresverwaltung pflichtgem\u00e4\u00df allen Ma\u00dfregeln ihr besonders Augenmerk zuwenden, die geeignet sind, den Ersatz der Verluste zu f\u00f6rdern, oder eine Schm\u00e4lerung dieses Ersatzes hintanzuhalten. In der zweiten Richtung spielen der Gebrauch von Verh\u00fctungsmittel und die Abtreibung der Leibesfrucht eine bedeutende Rolle. Sie wirken dem nat\u00fcrlichen Ausgleich entgegen, der schon im Kriege, noch viel mehr aber nach seinem Ende, eintreten w\u00fcrde, da der geschlechtliche Verkehr sich stark steigern wird. &#8230; Sonach ergibt sich, da\u00df dieses sch\u00e4dliche Verhalten in der Bev\u00f6lkerung zunimmt u. noch mehr zunehmen wird, gerade in einer Zeit, in der das Interesse des Staates so sehr wie noch nie darauf gerichtet ist, es hintanzuhalten. \u2026<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"13\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-13\">13<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-13\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"13\">&nbsp;&nbsp;Schreiben des k. und k. Kriegministeriums an das k.k. Ministerium des Inneren, Wien 16. Februar 1916<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So unverbl\u00fcmt utilitaristisch wie w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs wird sich gegenw\u00e4rtig in Mitteleuropa wohl kaum jemand zu \u00e4u\u00dfern wagen. Stattdessen bem\u00fcht man sich vor allem in Dehland, wohl auch getrieben vom schlechten Gewissen wegen der Euthanasiepolitik der Nationalsozialisten, darum, die Schutzw\u00fcrdigkeit des menschlichen F\u00f6tus argumentativ zu beweisen, wobei die Qualit\u00e4t der Argumente durchaus zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die SKIP-Argumente \u2013 Speziesargument, Kontinuumsargument, Identit\u00e4tsargument und Potentialit\u00e4tsargument \u2013 versuchen Gr\u00fcnde daf\u00fcr anzuf\u00fchren, dass das Leben des menschlichen Embryos unbedingt sch\u00fctzenswert sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Speziesargumentbesagt, dass alle Angeh\u00f6rigen der Spezies Homo sapiens W\u00fcrde haben. Da auch Embryonen der Spezies Mensch angeh\u00f6ren, m\u00fcsse ihr Leben ebenfalls gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es handelt sich hier um einen naturalistischen Fehlschluss<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"14\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-14\">14<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-14\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"14\">&nbsp;vulgo: Zirkelschlu\u00df<\/span>: Die bewertende Pr\u00e4misse wird stillschweigend vorausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut dem Kontinuit\u00e4tsargument entsprechen den entscheidenden Entwicklungsschritten eines Embryos (Impr\u00e4gnation, Syngamie, erstmalige Transkription unabh\u00e4ngig von der m\u00fctterlichen RNA, Implantation, Primitivstreifen, Neurulation) keine moralisch begr\u00fcndbaren Wertunterschiede. Dies bedeutet, dass aufgrund seiner kontinuierlichen Entwicklung kein klarer Strich gezogen werden kann, ab wann ein Embryo als schutzbed\u00fcrftig gilt. Deshalb habe ein Embryo schon zu Beginn seiner Entwicklung W\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Folgt man dieser \u201aLogik\u2019, d\u00fcrfte es im menschlichen Leben keine abgestuften Rechte geben. Es handelt sich um eine unbegr\u00fcndete Behauptung, da sehr h\u00e4ufig Rechte nach Entwicklungsphasen abgestuft werden (vgl. die Einschr\u00e4nkung der Rechte von Kindern oder Pflegschaften).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Identit\u00e4tsargument zufolge besteht in moralischer Hinsicht eine Identit\u00e4tsbeziehung zwischen dem Embryo und der Person, die sich aus ihm entwickeln kann. Hat die Person W\u00fcrde, muss die W\u00fcrde auch dem Embryo zugestanden werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber: Aus einer Eizelle k\u00f6nnen sich mehrere Embryonen bilden. Dies widerspricht der These, dass Lebewesen zu jedem Zeitpunkt miteinander identisch sind. Die Plazenta, die sich ebenfalls aus der befruchteten Eizelle entwickelt, m\u00fcsste dann au\u00dferdem dieselbe W\u00fcrde haben wie der Embryo bzw. der geborene Mensch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuletzt besagt das Potentialit\u00e4tsargument, dass Embryonen deshalb W\u00fcrde haben, weil sie das Potential besitzen, sich zu einem Wesen zu entwickeln, das w\u00fcrdeverleihende Eigenschaften tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff \u201aPotential\u2018 bezieht sich hier gewiss weder auf seine Definition in Mathematik und Physik, sondern auf den \u201aPotentialis\u2018, einen Modus des Verbs, der Ereignisse als m\u00f6glich kennzeichnet. In der deutschen Sprache wird dergleichen mit Hilfe des Konjunktiv II ausgedr\u00fcckt. Den Embryo mit dem Menschen gleichzusetzen, der einmal aus ihm werden k\u00f6nnte, erscheint nicht plausibel.<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"15\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-15\">15<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-15\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"15\">&nbsp;Der Chef sagt, hier sei die Lust am polemischen Streit mit ihm durchgegangen. Streichen soll ich die SKIP-Passage aber auch nicht. Die Sekret\u00e4rin<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">International tobt der Kampf um den Schwangerschaftsabbruch weiter. In mehr als 60 L\u00e4ndern ist er verboten oder nur gestattet, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist. Wird das Gesetz liberalisiert oder abgeschafft, wie aktuell in Argentinien und Spanien, wird es andernorts versch\u00e4rft, wie in den USA und Polen.&nbsp; \u201eMein Bauch geh\u00f6rt mir!\u201c, der trotzige Slogan westdeutscher Frauen vor 50 Jahren gegen den Paragraphen 218, ist noch immer nicht Realit\u00e4t. Abtreibung ist in Dehland eine Straftat, wird aber nicht bestraft \u2013 ein weiterer Puzzleteil, der eine durchweg verlogene Debatte kennzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie hei\u00dft es doch bei Kant? Der Mensch ist \u201aZweck an sich\u2018 und darf nie nur \u201aMittel zum Zweck\u2018 sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Realit\u00e4t der menschlichen Gesellschaft bestimmen in der Regel alte M\u00e4nner dar\u00fcber, ob jungen Frauen ihre W\u00fcrde genommen wird, indem sie als Mittel zum Zweck der Produktion von angeblich mit W\u00fcrde ausgestattetem menschlichen Leben benutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"aktion4\"><strong>Der Wert des geborenen menschlichen Lebens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur wenige, sehr kleine Staaten der Erde unterhalten keine Streitkr\u00e4fte. Viele von ihnen haben die Landesverteidigung an besser ger\u00fcstete Regional- oder Gro\u00dfm\u00e4chte delegiert. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass in fast allen L\u00e4ndern Menschen darauf trainiert werden, im Falle einer gewaltsamen Auseinandersetzung&nbsp; \u2013 eines Krieges, aber auch eines B\u00fcrgerkrieges \u2013 andere Menschen zu t\u00f6ten \u2013 oder von anderen Menschen get\u00f6tet zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich wird der Tod f\u00fcr den eigenen Stamm, das eigene Volk, den eigenen Staat ideologisch \u00fcberh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201aDulce et decorum est pro patria mori\u2018, dichtete Horaz. Was es mit dem Tod auf dem Schlachtfeld in Wahrheit auf sich hat, schildert ein schrecklich gelungenes Gedicht von Wilfred Owen aus dem Jahr 1917:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dulce et Decorum est<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Bent double, like old beggars under sacks,<br \/>Knock-kneed, coughing like hags, we cursed through sludge,<br \/>Till on the haunting flares we turned our backs<br \/>And towards our distant rest began to trudge.<br \/>Men marched asleep. Many had lost their boots<br \/>But limped on, blood-shod. All went lame; all blind;<br \/>Drunk with fatigue; deaf even to the hoots<br \/>Of disappointed shells that dropped behind.<br \/><br \/>Gas! GAS! Quick, boys!&#8211; An ecstasy of fumbling,<br \/>Fitting the clumsy helmets just in time;<br \/>But someone still was yelling out and stumbling<br \/>And floundering like a man in fire or lime.&#8211;<br \/>Dim, through the misty panes and thick green light<br \/>As under a green sea, I saw him drowning.<br \/><br \/>In all my dreams, before my helpless sight,<br \/>He plunges at me, guttering, choking, drowning.<br \/><br \/>If in some smothering dreams you too could pace<br \/>Behind the wagon that we flung him in,<br \/>And watch the white eyes writhing in his face,<br \/>His hanging face, like a devil&#8217;s sick of sin;<br \/>If you could hear, at every jolt, the blood<br \/>Come gargling from the froth-corrupted lungs,<br \/>Obscene as cancer, bitter as the cud<br \/>Of vile, incurable sores on innocent tongues,&#8211;<br \/>My friend, you would not tell with such high zest<br \/>To children ardent for some desperate glory,<br \/>The old Lie: Dulce et decorum est<br \/>Pro patria mori.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wilfred Owen fiel im Alter von 25 Jahren am 4. November 1918, genau eine Woche vor Kriegsende, bei K\u00e4mpfen am Canal de la Sambre \u00e0 l\u2019Oise. Postum wurde ihm das Military Cross f\u00fcr Tapferkeit vor dem Feind verliehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Orden, also billiges Blech als Belohnung f\u00fcr Verwundung oder Tod, geh\u00f6ren nat\u00fcrlich auch zum milit\u00e4rischen Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"aktion5\"><strong>Stellvertreterkriege<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine besondere Form des Kriegs sind Stellvertreterkriege. Auch dazu braucht es Kombattanten, die einander aus pers\u00f6nlich wichtigen Motiven bek\u00e4mpfen, zum Beispiel Mitglieder der Internationalen Brigaden auf der einen und der Falange auf der anderen Seite im Spanischen B\u00fcrgerkrieg. Die einen strebten Anarchie\/Sozialismus\/Kommunismus an, die anderen einen klerikal-faschistischen Staat. Aber hinter den tats\u00e4chlich K\u00e4mpfenden standen gr\u00f6\u00dfere M\u00e4chte: die Sowjetunion auf der einen und das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland auf der anderen Seite. Die konnten ihre \u201eLandeskinder\u201c schonen, andere in den Kugelhagel schicken und en passant ihre neu entwickelten Waffen f\u00fcr den n\u00e4chsten Krieg testen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Spanische B\u00fcrgerkrieg von 1936-1939 war der letzte Stellvertreterkrieg auf europ\u00e4ischem Boden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzichteten die ehemaligen Alliierten USA und UdSSR auf direkte Konfrontation in einem \u201ahei\u00dfen\u2018 Krieg und trugen ihren Kampf um geostrategische Positionen und Einflusssph\u00e4ren in Asien und Afrika aus. Im Koreakrieg, Vietnamkrieg, B\u00fcrgerkrieg in Angola, Afghanistankrieg und im Syrienkrieg starben Menschen mit gelber, brauner und schwarzer Hautfarbe f\u00fcr die Interessen der wei\u00dfen Machthaber in Washington und Moskau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir erinnern: Der Mensch ist Zweck an sich und darf nie nur Mittel zum Zweck sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Menschenrechte und Menschenw\u00fcrde beruft man sich in Nordamerika und in Europa gern, wenn es darum geht, unmenschliches<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"16\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-16\">16<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-16\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"16\">&nbsp;Das ist ein v\u00f6llig unzutreffendes Adjektiv. In Ermangelung eines besseren verwenden wir es trotzdem.<\/span> Handeln und Kriegsverbrechen anzuprangern. Nicht alle Staaten des globalen S\u00fcdens sind bereit, in den amerikanisch-europ\u00e4ischen Chor der Verurteilung Russlands wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine einzustimmen. Ist das wirklich verwunderlich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"aktion6\"><strong>Schlussbemerkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mensch, Leben, L\u00fcge, Krieg und Tod \u2013 viel lie\u00dfe sich dazu noch sagen. Zu Kinderarbeit. Zu Kindersoldaten. Zu Fl\u00fcchtlingen. Zu Grenzz\u00e4unen. Zu Schleppern. Zu Sklaven. Zu&#8230;<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"17\" data-mfn-post-scope=\"00000000000002250000000000000000_1588\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-17\">17<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000002250000000000000000_1588-17\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"17\">\u00a0Hier hat der Chef abgebrochen. Er sagt, ihm sei \u00fcbel. Die Sekret\u00e4rin<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong> (Wenn Sie die Fu\u00dfnote anklicken, erscheint der Text im Extrakasten)<\/p>\n\n\n<ul class=\"modern-footnotes-list \"><li><span>1<\/span><div>Le puits \u2013 die Grube, der Schacht, der Brunnen<\/div><\/li><li><span>2<\/span><div>384 \u2013 322 v.u.Z.<\/div><\/li><li><span>3<\/span><div>Lebewesen in der Gemeinschaft der Polis<\/div><\/li><li><span>4<\/span><div>106 &#8211; 43 v.u.Z.<\/div><\/li><li><span>5<\/span><div>Wie sich zeigt, ist Cicero eitel genug, die eigene Rolle als allgemeines menschliches Ideal zu propagieren.<\/div><\/li><li><span>6<\/span><div>1632 &#8211; 1694<\/div><\/li><li><span>7<\/span><div>1724 &#8211; 1804<\/div><\/li><li><span>8<\/span><div>&nbsp;F\u00fcr die folgenden Informationen zum Schwangerschaftsabbruch bedanken wir uns beim Museum f\u00fcr Verh\u00fctung und Schwangerschaftsabbruch, Wien.<\/div><\/li><li><span>9<\/span><div>&nbsp;Entgegen einer h\u00e4ufigen Ansicht beinhaltet der Hippokratische Eid keineswegs ein absolutes Abtreibungsverbot. Er lautet: \u201eNie werde ich, auch nicht auf eine Bitte hin, ein t\u00f6dlich wirkendes Gift verabreichen oder auch nur einen Rat dazu erteilen; gleicherweise werde ich niemals einer Frau ein fruchtabtreibendes Z\u00e4pfchen geben.\u201c Neuere Forschungen zeigen, dass hier vom Gebrauch eines spezifischen Wirkstoffes in einer bestimmten Applikationsform abgeraten wird. Es handelt sich um kein generelles Verbot der Verabreichung von Abortiva.<\/div><\/li><li><span>10<\/span><div>&nbsp;Solche Thesen sind keine gute Voraussetzung f\u00fcr feministische Ansichten! Die Sekret\u00e4rin<\/div><\/li><li><span>11<\/span><div>&nbsp;Hofkammer Archiv Wien, Patent 38 vom 2. Januar 1770. Sanit\u00e4t Hauptnormativ vom 3. Januar 1770, Theresianische Gerichtsordnung.<\/div><\/li><li><span>12<\/span><div>&nbsp;\u00a7 144 von 1852 bis 1974 in Kraft (mit Ausnahme der NS-\u00c4ra)<\/div><\/li><li><span>13<\/span><div>&nbsp;&nbsp;Schreiben des k. und k. Kriegministeriums an das k.k. Ministerium des Inneren, Wien 16. Februar 1916<\/div><\/li><li><span>14<\/span><div>&nbsp;vulgo: Zirkelschlu\u00df<\/div><\/li><li><span>15<\/span><div>&nbsp;Der Chef sagt, hier sei die Lust am polemischen Streit mit ihm durchgegangen. Streichen soll ich die SKIP-Passage aber auch nicht. Die Sekret\u00e4rin<\/div><\/li><li><span>16<\/span><div>&nbsp;Das ist ein v\u00f6llig unzutreffendes Adjektiv. In Ermangelung eines besseren verwenden wir es trotzdem.<\/div><\/li><li><span>17<\/span><div>\u00a0Hier hat der Chef abgebrochen. Er sagt, ihm sei \u00fcbel. Die Sekret\u00e4rin<\/div><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00e4rz 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von P. D. Kulle Inhalt: Was ist der Mensch? Der Mensch ist ein Tier. Er hat lange gebraucht, um die Vorstellung zu entwickeln, dass er auch ein ganz besonderes Tier ist. Was den Menschen der Steinzeit in S\u00fcdwesteuropa bewegte, l\u00e4sst sich an seiner \u201eH\u00f6hlenmalerei\u201c, die nur partiell aus Malerei, sondern auch oft aus Piktogrammen besteht,&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2023\/03\/wenn-der-mensch-der-wuerde-wuerdig-waere\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Wenn der Mensch der W\u00fcrde w\u00fcrdig w\u00e4re<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[9,16],"tags":[],"class_list":["post-1588","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulle3-2","category-philosophisches","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1588","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1588"}],"version-history":[{"count":29,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1588\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1625,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1588\/revisions\/1625"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}