{"id":154,"date":"2015-06-27T18:49:31","date_gmt":"2015-06-27T16:49:31","guid":{"rendered":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/?p=154"},"modified":"2022-11-23T17:43:24","modified_gmt":"2022-11-23T15:43:24","slug":"eule-aus-athen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2015\/06\/eule-aus-athen\/","title":{"rendered":"Eule aus Athen"},"content":{"rendered":"<p>Da Ramses einerseits ein h\u00f6flicher Frosch war, sich andererseits aber sorgte, dass seine Stimmb\u00e4nder verk\u00fcmmern k\u00f6nnten &#8211; er hatte seiner Meinung nach einen angenehmen Bariton &#8211; h\u00fcpfte er oft in den fr\u00fchen Morgen- oder sp\u00e4ten Abendstunden aus B\u00e4renleben fort, um au\u00dfer H\u00f6rweite des Dorfes seine Quak\u00fcbungen auszuf\u00fchren. Aus ihm unerfindlichen Gr\u00fcnden waren n\u00e4mlich alle B\u00e4renlebener au\u00dfer ihm der Meinung, dass sein Quaken sehr misst\u00f6nend sei.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/ramses2.jpg\" alt=\"Ramses\" width=\"440\" height=\"330\" \/><\/div>\n<p>So sa\u00df er denn im Juni auf einem luxuri\u00f6s gro\u00dfen Teichrosenblatt, sang vor sich hin und blinzelte bereits um vier Uhr in den beginnenden Tag, denn in dieser Jahreszeit sind die N\u00e4chte kurz. Aber pl\u00f6tzlich wurde er aus seiner Ruhe gerissen: Etwas rauschte, sein Blatt geriet in Schwingungen, wackelte gef\u00e4hrlich, neigte sich zur Seite, und etwas Gro\u00dfes, etwas sehr Gro\u00dfes landete neben ihm darauf. Ramses wurde abgedr\u00e4ngt und fiel ins Wasser.<\/p>\n<p>Das war nicht sonderlich tragisch, sind Fr\u00f6sche doch, wie jeder wei\u00df, hervorragende Schwimmer. Aber Fr\u00f6sche sind eben auch h\u00f6flich, und das r\u00fcde Verhalten \u00e4rgerte ihn gewaltig. Welcher B\u00e4renlebener wollte ihm zu dieser Stunde und so weit au\u00dferhalb des Dorfes einen Streich spielen? Dem w\u00fcrde er es schon zeigen!<\/p>\n<p>Er tauchte auf und \u00f6ffnete den Mund, um eine Philippika zu beginnen, schloss ihn aber gleich wieder. Auf dem Blatt sa\u00df kein Bewohner B\u00e4renlebens. Auf dem Blatt sa\u00df ein gro\u00dfer Vogel, und mit V\u00f6geln kannte Ramses sich gar nicht aus. Manchen allerdings sollte man als Frosch besser aus dem Weg gehen, St\u00f6rchen zum Beispiel, das wusste er. Aber der Eindringling sah nicht wie ein Storch aus.<\/p>\n<p>\u201eEntschuldige bitte, dass ich Dich runtergeworfen habe. Ich muss mich verflogen haben. Und jetzt ist es schon so hell, dass ich fast blind bin.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/minerva1.jpg\" alt=\"Minerva\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/p>\n<p>Der Fremde hatte also immerhin Manieren, stellte Ramses fest. Aber komisch war doch, dass jemand nicht sehen konnte, wenn es Tag war. Der Sache wollte er auf den Grund gehen.<\/p>\n<p>\u201eMacht nichts!\u201c sagte er gro\u00dfspurig. \u201eMacht gar nichts. Schon gut! Ich bin \u00fcbrigens Ramses.\u201c Wenn ich mich vorstelle, musst Du Dich auch vorstellen, dachte er sich. Er hatte richtig gedacht.<\/p>\n<p>\u201eIch bin Athene.\u201c<\/p>\n<p>Wenn Du Athene bist, bin ich Zeus, schoss es Ramses durch den Kopf. Oder zumindest Apoll.<\/p>\n<p>\u201eDann kommst Du also aus Griechenland?\u201c Er wollte einen Witz machen. \u201eAus Athen, nehme ich an? Und Du bist bestimmt eine Eule?\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/minerva3.jpg\" alt=\"Minerva\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/p>\n<p>\u201eJa, ich komme aus Athen, und ich bin genau genommen ein Steinkauz, Athene noctua, aber Du darfst mich eine Eule nennen. Alle machen das.\u201c<\/p>\n<p>Das w\u00e4re beinahe schief gegangen &#8211; er war auf dem besten Weg gewesen, sich zu blamieren, stellte Ramses fest. Eulen nach Athen tragen, Aristophanes &#8211; hier schien sich Antikes anzubahnen.<\/p>\n<p>\u201eWillkommen in Dehland!\u201c sagte er feierlich. \u201eDu hast bestimmt Hunger, aber au\u00dfer ein paar Fliegen kann ich Dir leider nichts anbieten. Ich hoffe doch, Du isst keine Fr\u00f6sche?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bevorzuge M\u00e4use,\u201c erkl\u00e4rte Athene ernsthaft.<\/p>\n<p>\u201eDas beruhigt mich sehr. Sag mal, wohin wolltest Du denn, bevor Du Dich verflogen hast?\u201c<\/p>\n<p>\u201eZum Kanzler. Zu dem Kanzler, von dem mir berichtet wurde. Der auf den Rat der B\u00e4ren h\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Von diesem Kanzler hatte Ramses auch schon geh\u00f6rt. <a href=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/1996\/01\/der-kanzler\/\" target=\"_new\" rel=\"noopener\">Im Dorf erz\u00e4hlte man sich, er habe sich einst bei einem Gewitter verirrt und sich, obwohl er zuerst Angst vor sogenannten wilden Tieren hatte, von B\u00e4ren zur Vernunft bringen lassen.<\/a> Ramses hielt die Geschichte f\u00fcr wahr. Er wusste auch, dass dieser Kanzler schon lange nicht mehr um Amt und sehr krank war.<a href=\"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/1996\/03\/und-sein-nachfolger\/\" target=\"_new\" rel=\"noopener\"> Ebenfalls erinnerte er sich, dass der Nachfolger des Kanzlers sp\u00e4ter bei den B\u00e4ren aufgetaucht war, und er hatte sich wesentlich weniger vern\u00fcnftig gezeigt als sein Vorg\u00e4nger.<\/a> Und dessen Nachfolgerin&#8230;<\/p>\n<p>\u201eDu wei\u00dft aber, dass Dehland seit zw\u00f6lf Jahren keinen Kanzler mehr hat, sondern eine Kanzlerin? Sie hei\u00dft Angela Merkel. Und ich habe noch nie davon geh\u00f6rt, dass sie auf den Rat von B\u00e4ren h\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Bei dem Namen zeigte Athena Unruhe. Ramses, der inzwischen wieder auf sein Teichrosenblatt zur\u00fcckgeklettert war, geriet mit seiner Unterlage in eine gef\u00e4hrliche Schieflage.<\/p>\n<p>\u201eWas ist los?\u201c wollte Ramses wissen.<\/p>\n<p>\u201eZu Angela Merkel will ich nicht. Auch nicht zu Christine Lagarde. Nicht zu Jer\u00f4me Dijsselblom. Nicht zu Claude Juncker. Nicht zu Wolfgang Sch\u00e4uble. Nicht zu&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Athena schien die Puste nicht auszugehen, und deshalb unterbrach Ramses sie: \u201eZu wem willst Du dann?\u201c<\/p>\n<p>Athena antwortete nicht, sondern steckte den Kopf unter ihren rechten Fl\u00fcgel. Der Kopf verschwand v\u00f6llig. Ramses wartete geduldig, obwohl er es merkw\u00fcrdig fand, auf ein Lebenszeichen eines gefiederten Quaders zu hoffen. Er musste lange warten, bis der Kopf wieder erschien.<\/p>\n<p>\u201eIch habe nachgedacht. Der Kanzler damals&#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer ist alt und sehr krank.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchade.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa.\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u201cEr hat mit den B\u00e4ren geredet&#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa.\u201c<\/p>\n<p>\u201eLeben die B\u00e4ren noch?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBring mich bitte zu ihnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGerne. Aber ich gehe mal lieber vor.\u201c<\/p>\n<p>Es gelang Ramses gerade rechtzeitig, B\u00e4rdel und Kulle auf ihrem Morgenspaziergang abzupassen.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kullebaerdelneben.jpg\" alt=\"Kulle und B\u00e4rdel\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/div>\n<p>\u201eWir haben Besuch aus fernen L\u00e4ndern!\u201c quakte er. \u201eEine Eule! Eine politische Eule! Sie will zum Kanzler, aber das habe ich ihr ausgeredet. Sie kommt zu Euch!\u201c<\/p>\n<p>B\u00e4rdel sah Kulle an. Kulle sah B\u00e4rdel an. Ungl\u00e4ubig. Verst\u00e4ndnislos.<\/p>\n<p>Und schon war sie da. Sie landete auf einem niedrigen Ast am n\u00e4chsten Baum.<\/p>\n<p>\u201eGuten Morgen!\u201c gr\u00fc\u00dfte B\u00e4rdel. Und gedankenlos fuhr er fort: \u201eIch hoffe, Du hast gut geschlafen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGuten Morgen. Ich hoffe, Du siehst, dass ich ein Nachtvogel bin. Ich habe nicht geschlafen, sondern bin geflogen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie kommt aus Athen!\u201c platzte Ramses dazwischen.<\/p>\n<p>\u201eWer hat Dich denn da hingetragen?\u201c flachste Kulle. Man muss ihm verzeihen &#8211; er war noch nicht ganz wach und lie\u00df es an der n\u00f6tigen Ernsthaftigkeit fehlen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas war Wolfgang Hildesheimer 1954. Aber ich lebe schon viel l\u00e4nger. Schon seit Aristophanes.\u201c<\/p>\n<p>Schlagartig begann Kulles Verstand auf Hochtouren zu arbeiten.<\/p>\n<p>\u201eDu bist eine literarische Eule? Eine symbolische Eule?\u201c<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle2.jpg\" alt=\"Kulle und B\u00e4rdel\" width=\"663\" height=\"556\" \/><\/div>\n<p>Athena nickte bescheiden.<\/p>\n<p>Ramses verstand gar nichts. B\u00e4rdel nur ein bisschen.<\/p>\n<p>\u201eDu, die Kluge, Symbol der G\u00f6ttin Athene, weiser Vogel aus dem Land, das die Wiege Europas ist, aus dem der g\u00f6ttliche Stier die Jungfrau in die Fremde trug &#8211; Du suchst Rat bei wilden Tieren?\u201c<\/p>\n<p>B\u00e4rdel erkannte Kulle kaum wieder. Seinen Hang zur Literatur hatte sein Freund bisher erfolgreich vor ihm verborgen.<\/p>\n<p>\u201eIch suche Rat bei wilden Tieren, denn mein Land ist unter die Menschen gefallen.\u201c<\/p>\n<p>Athena hatte sich \u00fcberreden lassen, den Tag zu verschlafen und ihre Geschichte allen B\u00e4renlebenern bei der abendlichen Dorfversammlung zu erz\u00e4hlen. Heute war es sp\u00e4ter als gew\u00f6hnlich &#8211; man hatte h\u00f6flich auf die Dunkelheit gewartet, damit die Eule ordentlich sehen konnte.<\/p>\n<p>\u201eEs ist eine lange Geschichte, aber ich will versuchen, es kurz zu machen. Seit 30 Jahren ist Griechenland Mitglied der Europ\u00e4ischen Union, seit 15 Jahren ist die W\u00e4hrung der Euro. Die damaligen Regierungen haben sich den Euro mit gef\u00e4lschten Zahlen erschwindelt. Im Land wird schlecht gewirtschaftet, damals wie heute. Die Regierung gab mehr Geld aus, als sie einnahm, und musste f\u00fcr die fehlende Summe Kredite aufnehmen. Die Zinsen f\u00fcr solche Kredite stiegen st\u00e4ndig, weil die Geldgeber immer st\u00e4rker daran zweifelten, dass sie ihr verliehenes Kapital jemals wiedersehen w\u00fcrden. Schlie\u00dflich konnte der Finanzminister den Schuldendienst nicht mehr bedienen. Das Land stand vor dem Bankrott Das war vor f\u00fcnf Jahren.<\/p>\n<p>Ist das soweit klar?\u201c<\/p>\n<p>Alle nickten, aber Piggy, das Schwein, wollte wissen: \u201eUnd warum ist Griechenland vor f\u00fcnf Jahren nicht pleite gegangen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs w\u00e4re eine Blamage f\u00fcr die anderen Euro-L\u00e4nder gewesen. Das Ansehen des Euro an den internationalen Devisenb\u00f6rsen w\u00e4re stark besch\u00e4digt worden. Man beschloss, Griechenland zu helfen. Die Helfer waren zwei Organe der Europ\u00e4ischen Union und der Internationale W\u00e4hrungsfonds.\u201c<\/p>\n<p>\u201eOh je!\u201c Na hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund, weil sie sich wieder einmal nicht hatte beherrschen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Athena richtete mit einem ihrer Augen einen stechenden Blick auf sie. Wenn Eulen schmunzeln k\u00f6nnten, h\u00e4tte sie es getan.<\/p>\n<p>\u201eSehr richtig: Oh je! <a href=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/iwf.html\" target=\"_new\" rel=\"noopener\">Vor allem der IWF ist knallhart, aber \u00fcber den wisst Ihr in B\u00e4renleben ja Bescheid, hat Kulle mir erz\u00e4hlt.<\/a> Wenn der Kredite vergibt, dann immer nach den gleichen Spielregeln: Geld gibt es nur, wenn die Staatsausgaben verringert werden. Wenn also weniger ausgegeben wird f\u00fcr Bildungs- und Gesundheitswesen, f\u00fcr Soziales. Allgemein f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst. Wenn die Staatseinnahmen erh\u00f6ht werden, also die Steuern. Wenn das Staatseigentum verkauft wird.\u201c<\/p>\n<p>Athena holte tief Luft.<\/p>\n<p>\u201eIn Griechenland sind die Renten in den letzten f\u00fcnf Jahren um zehn Prozent gesenkt worden, die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst wurden um 30 Prozent gek\u00fcrzt. Jeder dritte Grieche kann sich keine Krankenversicherung mehr leisten. Und fast jeder dritte Grieche ist arbeitslos. Vor f\u00fcnf Jahren war es noch nicht einmal jeder zehnte. Viele Menschen sind obdachlos geworden, viele hungern.\u201c<\/p>\n<p>Athena schwieg. Die Zuh\u00f6rer waren mucksm\u00e4uschenstill. Sie warteten auf die Fortsetzung des Vortrags. Aber die Eule war am Ende.<\/p>\n<p>\u201eUnd jetzt?\u201c fragte Kulle schlie\u00dflich sanft.<\/p>\n<p>\u201ejetzt hat Griechenland schon wieder kein Geld mehr. Nur Schulden. Und die Geldgeber stellen neue Bedingungen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum kann man denn nicht einfach einen Schlussstrich ziehen? Also Griechenland seine Schulden erlassen?\u201c schlug Tumu vor.<\/p>\n<p>\u201eDas m\u00f6chten die Griechen nat\u00fcrlich. Aber nicht die Gl\u00e4ubiger, vor allem nicht die Regierung von Dehland. Niemand erinnert sich offenbar daran, dass diesem Land die Forderungen aus dem Versailler Friedensvertrag weitgehend erlassen wurden. Ohne diese Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der Gl\u00e4ubiger h\u00e4tte sich Dehland wohl kaum wirtschaftlich erholen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Athena seufzte.<\/p>\n<p>\u201eIch wollte mit dem alten Kanzler sprechen, dem, der auf die B\u00e4ren geh\u00f6rt hat. Aber den gibt es nicht mehr, habe ich gelernt. Die neue Kanzlerin, das wissen in Athen alle, h\u00f6rt nicht auf B\u00e4ren, sondern nur auf Geld. Zu ihr zu fliegen hat keinen Zweck. Das hie\u00dfe, Eulen nach Berlin tragen. Und davon gibt es in Berlin genug.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas k\u00f6nnen wir denn tun, um den Griechen zu helfen?\u201c wollte die alte B\u00e4rin wissen.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen zum Beispiel all das technische Equipment nutzen, das ich im Lauf der Jahre zusammen&#8230; zusammengestellt habe,\u201c meldete sich Manfred. \u201e\u00dcber die diversen sogenannten sozialen Medien l\u00e4sst sich da Meinung machen, und meine Firewalls sind so gut, dass niemand uns entdecken wird. Gleich morgen fr\u00fch legen wir los &#8211; ich garantiere, dass der Shitstorm die Kanzlerin aus dem Bett holen wird. Vielleicht f\u00e4llt ihr dann ein neuer Spruch ein: \u201aRuinieren unter Freunden &#8211; das geht gar nicht!&#8216; Aber Ihr geht jetzt besser erst mal schlafen -\u00ac ich muss noch ein wenig basteln.\u201c<\/p>\n<p>Die B\u00e4ren brummten zustimmend, das Schwein quiekte, und im Augenblick st\u00f6rte es auch niemanden, dass Ramses quakte.<\/p>\n<p>\u201eUnd Du bist bitte unser Gast!\u201c sagte B\u00e4rdel zu Athena. \u201eIn den W\u00e4ldern der Umgebung gibt es M\u00e4use genug f\u00fcr Deine Bed\u00fcrfnisse, anderes Kleingetier auch, wonach Dir der Appetit steht, so genau wollen wir das gar nicht wissen.\u201c Und mit ein bisschen schlechtem Gewissen f\u00fcgte er hinzu: \u201eUnd schlaf sch\u00f6n. Morgen, tags\u00fcber, meine ich.\u201c<\/p>\n<p>Zur Erl\u00e4uterung:<\/p>\n<p>Die Redensart \u201eEulen nach Athen tragen\u201c geht auf den griechischen Dichter Aristophanes zur\u00fcck, in dessen Kom\u00f6die \u201eDie V\u00f6gel\u201c sich der Satz findet:<\/p>\n<p>\u201eWer hat die Eule nach Athen gebracht?\u201c<\/p>\n<p>Die Eule, Symboltier der G\u00f6ttin Pallas Athene, gilt als Inkarnation der Weisheit.<\/p>\n<p>Und: Eulen waren damals in die Silberm\u00fcnzen gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Hier beginnt die Spielwiese der Interpretation: Wie m\u00f6glich\/ unm\u00f6glich, sinnlos\/ unsinnig ist es, Weisheit bzw. Geld irgendwo hin zu bringen?<\/p>\n<p>Wolfgang Hildesheimer, Meister der kurzen Form und der Ironie, schreib 1954 die Erz\u00e4hlung: \u201eIch trug eine Eule nach Athen\u201c. Nachzulesen im Archiv der \u201eZeit\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da Ramses einerseits ein h\u00f6flicher Frosch war, sich andererseits aber sorgte, dass seine Stimmb\u00e4nder verk\u00fcmmern k\u00f6nnten &#8211; er hatte seiner Meinung nach einen angenehmen Bariton &#8211; h\u00fcpfte er oft in den fr\u00fchen Morgen- oder sp\u00e4ten Abendstunden aus B\u00e4renleben fort, um au\u00dfer H\u00f6rweite des Dorfes seine Quak\u00fcbungen auszuf\u00fchren. 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