{"id":1081,"date":"2019-04-14T17:38:51","date_gmt":"2019-04-14T15:38:51","guid":{"rendered":"https:\/\/pdkulle.de\/?p=1081"},"modified":"2019-04-14T17:38:51","modified_gmt":"2019-04-14T15:38:51","slug":"zur-evolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baerdel.de\/maerchen\/2019\/04\/zur-evolution\/","title":{"rendered":"Zur Evolution"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">P.D. Kulle<\/pre>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\tUns ist eine sehr alte Geschichte \u00fcberliefert:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein g\u00f6ttliches Wesen schuf allein aus seinem Willen eine ganze Welt und ben\u00f6tigte dazu nur sieben Tage. Genau genommen, brauchte er nur sechs, denn danach war er vom Sch\u00f6pfen so ersch\u00f6pft, dass er sich einen Ruhetag g\u00f6nnte, um neue Kraft zu sch\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am sechsten Tag hatte er aus Materie ein ihm ebenbildliches Wesen geformt, den Menschen. Der war neugierig, ungehorsam, emotional unkontrolliert und m\u00f6rderisch, zudem f\u00fcr alle Laster empf\u00e4nglich. Das versetzte seinen Sch\u00f6pfer in Zorn, und er beschloss, ihn zu vernichten. Die Tiere aber, die er vor dem Menschen geschaffen hatte, wollte er \u00fcberleben lassen, wozu er der Hilfe einiger Menschen bedurfte. Er suchte sich Noah und dessen S\u00f6hne aus, die er beauftragte, ein gro\u00dfes Schiff zu bauen, in dem von jedem der Tiere ein Paar Quartier finden sollte, je ein m\u00e4nnliches und ein weibliches. Dass er verga\u00df, Noah und seinen S\u00f6hnen Frauen beizugeben, sei nur am Rande vermerkt. Oder er hat es nicht vergessen, sondern die \u00dcbermittler der alten Geschichte waren alte M\u00e4nner und hielten Frauen f\u00fcr nicht erw\u00e4hnenswert. Wie auch immer: Als alle wie gefordert an Bord waren, lie\u00df der Sch\u00f6pfer f\u00fcr 40 Tage eine verheerende Flut \u00fcber die Welt kommen. Alle Menschen kamen dabei um, logischerweise auch alle Pflanzen und alle Tiere au\u00dferhalb des Schiffes, aber die waren nach der \u00dcberschwemmung wieder da, sonst h\u00e4tten die geretteten Tieren ja verhungern m\u00fcssen. Logischen \u00dcberlegungen zufolge h\u00e4tte sich der Sch\u00f6pfer die gesamte Operation also sparen k\u00f6nnen. Die Arche der Tiere strandete am Berg Ararat, der, wie man wei\u00df, in der T\u00fcrkei zu finden ist. Dort m\u00fcssen alle ausgestiegen sein, und ihre Nachfahren erfreuen sich noch heute des Lebens, so die Erz\u00e4hlung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\tDass diese alte Geschichte einige Fragen aufwirft, haben wir oben bereits angedeutet. Eine wesentliche Frage aber besch\u00e4ftigte Naturforscher bis in die Neuzeit hinein: Wenn alle Tiere in der T\u00fcrkei anlandeten, wie kamen dann zum Beispiel die Bisons nach Nordamerika, die Pinguine in die Ant-, die Eisb\u00e4ren dagegen in die Arktis? Und: Sind alle Arten wirklich noch vorhanden? Wie sollte man sich Fossilienfunde erkl\u00e4ren, die sich keiner rezenten Tierart zuordnen lie\u00dfen? Wenn einiges darauf hindeutet, dass Arten aussterben k\u00f6nnen, sollten nicht auch neue entstehen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\tDie Antwort auf all diese Fragen lieferte in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts Charles Darwin mit seinem Werk \u201e\u00dcber die Entstehung der Arten\u201c. Aufgrund empirischer Forschungen konnte er plausibel erkl\u00e4ren, dass das Leben auf der Erde nicht in wenigen Tagen \u201egesch\u00f6pft\u201c worden war, sondern sich in Jahrmillionen entwickelt hatte, und zwar sinnvoll auf der Basis des Zufalls. Pflanzen wie auch Tiere sind keine freischwebenden Individuen, sondern haben Lebensr\u00e4ume. Die Art, die in einem bestimmten Habitat die meisten N\u00e4hrstoffe zu gewinnen vermag, wird sich st\u00e4rker als konkurrierende Spezies reproduzieren und wird diese verdr\u00e4ngen. Die Art, die in der Lage ist, ein neues Biotop zu besiedeln, wird dieses Biotop dominieren. Individuen innerhalb einer Art, die sich am besten zu ern\u00e4hren wissen, werden st\u00e4rker als ihre weniger dazu f\u00e4higen Artgenossen und haben gr\u00f6\u00dfere Chancen, sich fortzupflanzen. Der Zufall bei diesem Prozess der Evolution wird durch das Erbgut gegeben, das bei sexueller Fortpflanzung neu gemischt wird. Dazu kommt, das die Erbinformationen nicht immer korrekt kopiert werden und so Fehler entstehen, Mutationen, die in ihrer \u00fcberwiegenden Zahl negativ f\u00fcr die Folgegenerationen sind, aber mitunter auch qualitative Spr\u00fcnge bewirken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es handelt sich bei der Evolution also um einen Kampf ums \u00dcberleben, der so lange fortdauert, wie es miteinander konkurrierende Arten gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\tWas aber geschieht, wenn eine Spezies alle Habitate besetzt hat und andere Arten nicht mehr zu f\u00fcrchten braucht? Ist diese Spezis nicht nur vernunftbegabt, sondern vern\u00fcnftig, wird sie die Situation analysieren, sich einen \u00dcberblick \u00fcber die ihr zur Verf\u00fcgung stehenden Rohstoffe verschaffen und ihren Stoffwechsel mit der Natur auf einem Niveau stabilisieren, das ihr eine lange Existenz in ihrem Habitat zwar nicht garantieren, wohl aber erm\u00f6glichen kann. Ist sie es nicht, wird sie ihre Lebensbasis zugrunde richten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\tDer Planet Erde ist in das Zeitalter des Anthropoz\u00e4n eingetreten. Homo sapiens sapiens hat in einem langen Evolutionsprozess nicht nur seine menschlichen Konkurrenzarten aus dem Feld geschlagen, sondern braucht sich auch vor anderen Raubtieren nicht mehr zu f\u00fcrchten. Allein Viren und Bakterien k\u00f6nnen ihm noch gef\u00e4hrlich werden, aber Homo hat eine hoch effiziente Forschung entwickelt, die es ihm bisher jedenfalls erlaubt hat, derartige Angriffe zur\u00fcckzuschlagen. \u201eAus dem Feld schlagen\u201c und \u201ezur\u00fcckschlagen\u201c ist nicht nur auf mikrobiologischer Ebene, sondern in vielen F\u00e4llen gleichzusetzen mit \u201eausrotten\u201c. Eine Kosten-Nutzen-Relation wurde dabei in der Regel nicht erstellt, dergleichen pflegt Homo im Rahmen seiner \u00d6konomie, die ihm alles bedeutet, nur f\u00fcr Betriebe zu berechnen. W\u00e4hrend Fauna und Flora um ihn herum schwinden, ist Homo zur Selbstbegrenzung nicht bereit. Seine ideologische Setzung, unabh\u00e4ngig von allen Kulturen, lautet: \u201eMenschliches Leben ist unantastbar. Der Wunsch nach Kindern muss erf\u00fcllt werden\u201c. Die eingangs erw\u00e4hnte alte Geschichte ist dabei relevant: Der Glaube an die Gott\u00e4hnlichkeit oder zumindest Gottesn\u00e4he der eigenen Spezies ist in den meisten Menschnk\u00f6pfen so tief verankert, dass er genetische Grundlagen zu haben scheint. \t\tDamit ist der Mechanismus der Evolution, nur den besser Adaptierten die Fortpflanzung zu erm\u00f6glichen, au\u00dfer Kraft gesetzt. Erm\u00f6glich wird das Leben nahezu aller gezeugten Menschen, unabh\u00e4ngig von ihrem Potential, durch die weit entwickelte menschliche Medizin. Ungewollt kinderlosen Paaren wird, zumindest in den reichen L\u00e4ndern, auch k\u00fcnstliche Befruchtung erm\u00f6glicht. So explodiert die menschliche Bev\u00f6lkerung auf der Welt. Eine rationale Bewertung der zur Verf\u00fcgung stehenden begrenzten Ressourcen wird durch die ideologische Selbstwahrnehmung&nbsp; verunm\u00f6glicht. Der zentrale weltanschauliche Grundsatz wird immer in Zeiten des Krieges verletzt, Zeiten, die in der menschlichen Geschichte den Regelzustand darstellen. In diesen Zeiten gilt, dass keine Regel gilt. Trotz des&nbsp; Blutzolls, der permanent gefordert wird, ist es Homo nicht gelungen, seine Spezies zu dezimieren. Das Gegenteil ist der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir kommen zum Schluss.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Q.E.D. :<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Pffffffffffttt<\/pre>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder, um mein bekanntes Fazit zu variieren: Dumm gelaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">P.S. Ich danke, wie immer, meiner Sekret\u00e4rin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">April 2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>P.D. 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